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24 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL
"Die christliche Botschaft im heutigen Zeitalter der Informatik." 1990 |
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Liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde, in einem ihrer Eucharistischen Hochgebete wendet sich die Kirche mit folgenden Worten an Gott: "Den Menschen hast du nach deinem Bild geschaffen und ihm die Sorge für die ganze Welt anvertraut. Über alle Geschöpfe sollte er herrschen und allein dir, seinem Schöpfer, dienen" (Viertes Hochgebet). Für Männer und Frauen, die so von Gott geschaffen und beauftragt sind, hat damit der gewöhnliche Arbeitstag großen und wunderbaren Sinn, denn die Gedanken, Tätigkeiten und Unternehmungen der Menschen - wie gewöhnlich sie auch sein mögen - werden vom Schöpfer für die Erneuerung der Welt verwendet, um sie nämlich ins Heil zu führen und sie zu einem vollkommeneren Werkzeug für Gottes Ruhm zu machen. Vor fast fünfundzwanzig Jahren haben die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils sich über die Kirche in der modernen Welt Gedanken gemacht und erklärt, daß Männer und Frauen, die mit ihren gewöhnlichen Beschäftigungen ihren Familien und der Gemeinschaft dienen, ihr Tun als "Weiterentwicklung des Werkes des Schöpfers (...) und ihren persönlichen Beitrag zur geschichtlichen Erfüllung des göttlichen Planes" betrachten dürfen (vgl. Gaudium et Spes 34). Bei ihrem Blick auf die Zukunft und beim Versuch, sich den Kontext klarzumachen, in dem die Kirche ihre Sendung durchzuführen berufen ist, konnten die Konzilsväter klar erkennen, dann der Fortschritt der Technik bereits "das Antlitz der Erde selbst umformt und schon an die Bewältigung des planetarischen Raumes geht" (vgl. Gaudium et Spes 5). Sie erkannten an, daß zumal Entwicklungen in der Kommunikationstechnik dabei sind, Kettenreaktionen mit unvorhersehbaren Folgen auszulösen. Weit davon entfernt vorzuschlagen, die Kirche solle sich heraushalten oder versuchen, sich vom Hauptstrom dieser Entwicklungen abzukapseln, erblickten die Konzilsväter die Kirche mitten im menschlichen Fortschritt, wie sie die Erfahrungen der übrigen Menschheit aufgreift und sie zu verstehen sucht, um sie im Licht des Glaubens zu deuten. Gottes gläubiges Volk sollte von den neuen Entdeckungen und Techniken zum Wohl der Menschheit und zur Erfüllung von Gottes Plan für die Welt schöpferischen Gebrauch machen. Diese Anerkennung eines raschen Wandels und die Offenheit für neue Entwicklungen haben sich in den folgenden Jahren als zeitgerecht erwiesen, denn das Tempo des Wandels und der Entwicklung beschleunigt sich weiter. Heute denkt und spricht man zum Beispiel von den Sozialen Kommunikationen nicht mehr als von bloßen Werkzeugen oder Techniken. Sie werden nun vielmehr als Teil einer sich weiter entfaltenden Kultur gesehen, dessen Auswirkungen wir bisher nur unvollkommen verstehen und deren Möglichkeiten im Augenblick nur zum Teil ausgenützt werden. Hier finden wir die Grundlage für unser Nachdenken an diesem vierundzwanzigsten Weltkommunikationstag. Mit jedem neuen Tag werden Augenblicke früherer Jahre mehr zur Wirklichkeit. Bei diesen Ausblicken sah man die Möglichkeit eines echten Dialog zwischen voneinander weit entfernten Menschen voraus und einen weltweiten Austausch von Gedanken und Plänen, ein Wachsen der gegenseitigen Erkenntnis und des Verständnisses, eine Verstärkung der Brüderlichkeit über viele bisher unüberschreitbare Grenzen hinweg (vgl. Communio et Progressio, 181, 182). Mit dem Aufkommen von computergesteuerten Telekommunikationen und dem, was als Computerbeteiligungssysteme bekannt ist, sind der Kirche für die Erfüllung ihrer Sendung weitere Mittel angeboten. Methoden für eine Erleichterung der Kommunikation und des Dialogs zwischen ihren eigenen Mitgliedern können die Bande der Einheit zwischen ihnen stärken. Unmittelbarer Zugang zu Informationen macht es ihr möglich, ihren Dialog mit der heutigen Welt zu vertiefen. In der neuen "Computerkultur" kann die Kirche die Welt leichter über ihre Glaubensauffassungen informieren und die Gründe für ihre Stellungnahme zu einem bestimmten Thema oder Vorgang darlegen. Sie kann deutlicher die Stimme der öffentlichen Meinung hören und in eine ständige Diskussion mit der sie umgebenden Welt eintreten, so daß sie unmittelbarer in das gemeinsame Suchen nach Lösungen für zahlreiche dringende Probleme der Menschheit einbezogen wird (vgl. Communio et Progressio 114 ff). Selbstverständlich muß sich die Kirche auch selber bei ihrer immer dringlichen Aufgabe der Evangelisierung der neuen Möglichkeiten bedienen, die menschliches Forschen mit der Computer- und Satellitentechnik zur Verfügung stellt. Ihre lebenswichtige und dringende Botschaft hat es mit der Kenntnis Christi und dem Weg des Heiles, den er anbietet, zu tun. Dies ist etwas, was sie den Menschen aller Zeiten vor Augen stellen muß, indem sie sie einlädt, sich in Liebe dem Evangelium zuzuwenden, wobei sie immer bedenkt, daß die Wahrheit nicht anders Anspruch erhebt als kraft der Wahrheit selbst, die sanft und zugleich stark den Geist durchdringt" (Dignitatis humanae 1). Weisheit und Einsichten aus den letzten Jahren lehren uns: "Gott hat zur Menschheit entsprechend der den verschiedenen Zeiten eigenen Kultur gesprochen. In gleicher Weise nimmt die Kirche, die im Lauf der Zeit in je verschiedener Umwelt lebt, die Errungenschaften der einzelnen Kulturen in Gebrauch, um die Botschaft Christi in ihrer Verkündigung bei allen Völkern zu verbreiten und zu erklären" (Gaudium et Spes 58). "In unserer Zeit, die von den Massenmedien (...) geprägt ist, kann bei der ersten Bekanntmachung mit dem Glauben, bei der katechetischen Unterweisung und bei der weiteren Vertiefung des Glaubens auf diese Mittel nicht verzichtet werden (...). Die Kirche würde vor ihrem Herrn schuldig, wenn sie nicht diese machtvollen Mittel nützte, die der menschliche Verstand immer noch weiter vervollkommnet. Dank dieser Mittel verkündet die Kirche die ihr anvertraute Botschaft "von den Dächern" (Evangelii nuntiandi 45). Gewiß müssen wir dankbar sein für die neue Technik, die uns das Speichern von Informationen in umfangreichen von Menschen künstlich aufgebauten Banken möglich macht, so daß damit ein weiter und augenblicklicher Zugang zum Wissen gegeben ist, das unser menschliches Erbe darstellt, aber auch zur Lehre und Überlieferung der Kirche, den Worten der Heiligen Schrift, den Ratschlägen der großen Meister der Spiritualität, der Geschichte und der Traditionen der Ortskirchen, religiöser Orden und Laieninstitute, sowie zu den Gedanken und Erfahrungen von schöpferischen Geistern und Erfindern, deren Einsichten für die treue Gegenwart eines liebevollen Vaters in unserer Mitte, der Neuen und Altes aus seinem Schatze hervorholt (vgl. Mt l3,52), ständig Zeugnis geben. Zumal junge Menschen passen sich bereitwillig der Computerkultur und ihrer Sprache an. Dies ist gewiß ein Grund zur Genugtuung. Wir wollen "den Jugendlichen Vertrauen schenken" (Communio et Progressio 70). Sie haben den Vorteil gehabt, mit den neuen Entwicklungen großgeworden zu sein, und sie werden die Pflicht haben, diese neuen Werkzeuge für einen weiter gespannten und intensiveren Dialog unter all den verschiedenen Rassen und Klassen einzusetzen, die auf unserer "kleiner werdenden Erde" leben. Es liegt an ihnen, Wege zu erkunden, auf denen die neuen Systeme der Datenaufbewahrung und des Datenaustausches bei der Förderung von mehr universaler Gerechtigkeit, für mehr Achtung vor den Menschenrechten, eine gesunde Entwicklung für alle Einzelnen und Völker sowie die für ein voll menschliches Leben wesentlichen Freiheiten helfen können. Ob wir aber jung oder alt sind, gehen wir auf die Herausforderung der neuen Entdeckungen und Techniken ein, indem wir mit ihnen eine moralische Sicht verbinden, die in unserem religiösen Glauben wurzelt, in unserer Achtung vor der Person des Menschen sowie in unserem Willen, die Welt nach Gottes Plan umzugestalten. An diesem Weltkommunikationstag wollen wir um Weisheit beim Gebrauch der Möglichkeiten des Computerzeitalters beten, damit sie der menschlichen und transzendenten Berufung des Menschen dienen und damit den Vater ehren, von alle guten Dinge herkommen. Aus dem Vatikan, am 1990 IOANNES PAULUS II |