Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

23 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Religion in den Medien."

1989

   Liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde im Informations- und Kommunikationsdienst,

1. Das diesjährige Thema des Welttages der Sozialen Kommunikationsmittel: "Die Religion in den Medien" ist von besonderer Bedeutung für die Präsenz der Kirche und ihre Beteiligung am öffentlichen Dialog. In unseren Tagen haben religiöse wie kulturelle Meldungen dank der Sozialen Kommunikationsmittel eine bedeutend stärkere Wirkung. Die Überlegung, die ich euch bei dieser Gelegenheit vorlegen möchte, entspricht einem ständigen Anliegen meines Pontifikates, nämlich: Welche Rolle kann die Religion im sozialen Leben und in den Medien spielen?

2. In ihrem pastoralen Wirken fragt sich die Kirche natürlich nach der Haltung der Medien gegenüber dem Thema "Religion". Gleichzeitig nämlich mit der Entwicklung der Kommunikationsmittel und -techniken zeigte sich in der industrialisierten Welt, die ihnen so breiten Raum gegeben hat, ein Säkularismus, der den Sinn für das Religiöse beim modernen Menschen zum Verschwinden zu bringen schien.

3. Im Augenblick jedoch stellt man fest, daß infolge des größeren Interesses an der religiösen Dimension der individuellen und sozialen menschlichen Wirklichkeiten die religiöse Information in den Kommunikationsmedien mehr Raum gewinnt. Wollte man dieses Phänomen untersuchen, mußte man die Zeitungleser, die Fernsehzuschauer und Rundfunkhörer befragen, denn es handelt sich nicht um eine von den Medien geschaffene Präsenz, sondern um ein spezifisches Bedürfnis der Öffentlichkeit, auf das die für die Massenkommunikation Verantwortlichen eingehen, indem sie über religiöse Themen mehr Informationen und Kommentare anbieten . In der ganzen Welt wenden sich Millionen von Menschen an die Religion, um den Sinn ihres Lebens zu erkennen, Millionen Menschen, für die das religiöse Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer und Vater, die beglückendste Wirklichkeit des menschlichen Daseins ist. Die Fachleute für Kommunikation, die diese Tatsache zur Kenntnis nehmen und ihre Folgen analysieren, wissen das gut. Und selbst wenn diese Dialektik zwischen Informanten und Öffentlichkeit bei der Sozialen Kommunikation zuweilen unbefriedigend und parteiisch bleibt, so steht doch die positive Tatsache fest: die Religion ist heute im Strom der Informationen der Medien präsent.

4. Durch ein Zusammentreffen fällt der Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel im Jahre 1989 mit dem 25. Jahrestag der Gründung der Päpstlichen Kommission für die Sozialen Kommunikationsmittel zusammen, die nun zum "Päpstlichen Rat" geworden ist. Welche Bilanz kann man nach 25 Jahren im Dienst des Apostolates der Kommunikationen ziehen? Gewiß hat es die Kirche selbst verstanden, klarer die "Zeichen der Zeit" zu erkennen, wozu auch das Phänomen der Kommunikation gehört. Mein Vorgänger Pius XII. hat bereits dazu aufgefordert, in den Medien keine Bedrohung, sondern ein "Geschenk" zu sehen (vgl . die Enzyklika Miranda prorsus von 1957). Das Zweite Vatikanische Konzil hat seinerseits feierlich diese positive Einstellung bekräftigt (vgl. das Dekret Inter mirifica, 1964). Die damals eingerichtete Päpstliche Kommission, die heute als Päpstlicher Rat ihre volle Bedeutung gewonnen hat, war beharrlich bemüht, in der Kirche eine Haltung der Beteiligung und Kreativität auf diesem Gebiet, oder besser bei diesem neuen Stil des Lebens und der Beteiligung in der Menschheit zu fördern.

5. Die Frage, die sich heute der Kirche stellt, ist nicht mehr, ob der Mann auf der Straße noch eine religiöse Botschaft erfassen kann, sondern es handelt sich darum, die besten Ausdrucksformen der Kommunikation zu finden, so daß die Botschaft des Evangeliums ihre volle Durchschlagskraft erhält.

Der Herr ermuntert uns sehr unmittelbar und einfach zum Zeugnis und zur Kommunikation in weitestem Umfang: "Fürchtet euch nicht (...) was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern" ( Mt 10, 26-27 ) . Worum geht es? Der Evangelist faßt es so zusammen: "Sich vor den Menschen zu Christus bekennen" ( vgl. Mt 10, 32) . Das also ist die zugleich demütige und unbeschwerte Kühnheit, die die christliche Präsenz im öffentlichen Dialog der Medien inspiriert. Der hl. Paulus sagt es uns: "Wenn ich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir" (1 Kor 9, 16). In gleicher Treue bringt es die Hl. Schrift immer wieder zum Ausdruck: "Die Gerechtigkeit des Herrn verkünde ich in großer Gemeinde" (Ps 40, 10), und "alle Menschen verkünden Gottes Taten" (Ps 64, 10).

Kommunikatoren und Empfänger der Medien, ihr könnt euch gegenseitig nach der Notwendigkeit und ständigen Neuheit dieser "reinen und makellosen Religion" fragen, die uns auffordert, "uns vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren" (Jak 1, 27). Verantwortliche der Medien, diese paar Gedanken biblischer Weisheit lassen euch sofort erkennen, welch eine große Herausforderung das religiöse Zeugnis innerhalb des öffentlichen Dialogs darstellt. Es geht um die Zuverlässigkeit der Meldungen und des Meinungsaustausches sowie um die Qualität der Programme und Produktionen.

6. Im Namen der ganzen Kirche möchte ich der Welt der Kommunikation für den Raum danken, den sie der Religion anbietet. Ich bin gewiß, im Namen aller Menschen guten Willens zu sprechen, wenn ich dieser Dankbarkeit Ausdruck gebe, auch wenn es uns oft scheint, daß man die christliche Präsenz in der öffentlichen Diskussion noch verbessern könnte. Ich möchte meinerseits für den Anteil danken, welcher der Religion in der Information, in der Dokumentation, im Dialog und in der Zusammenfassung gegeben ist.

Ich möchte ferner alle Kommunikatoren bitten, sich, bei den ihnen gebotenen Gelegenheiten, die Botschaft der Hoffnung und der Versöhnung mit Gott in den Medien aller Art und Stellung darzubieten, in ihrem beruflichen Können, ihrem Pflichtenkodex entsprechend. Bestehen die "Gaben Gottes" (vgl. Pius XII. in Miranda prorsus) hier nicht in der geheimnisvollen Begegnung zwischen den technischen Möglichkeiten der Ausdrucksformen der Kommunikation einerseits und andererseits der Öffnung des Geistes für die erleuchtete Initiative des Herrn und seiner Zeugen? Auf diesem Niveau liegt die Qualität unserer kirchlichen Präsenz in der öffentlichen Diskussion. Mehr denn je setzt die Heiligkeit des Apostels nach einem Wort der Kirchenväter die "Divinisierung" der ganzen menschlichen Genialität voraus. Auch aus diesem Grund darf die liturgische Feier der Geheimnisse des Glaubens im weiten Bereich der Präsenz der Medien in der Welt von heute nicht übergangen werden.

7. Im Gedanken an all dies spreche ich schlicht und vertrauensvoll ein Anliegen an, das mir sehr am Herzen liegt. Es entstammt dem gleichen Freundschaftsgefühl, mit dem sich Paulus an Philemon wandte: "Ich schreibe dir im Vertrauen (...) und weiß, daß du noch mehr tun wirst, als ich gesagt habe" (Phlm 1, 21). Hier mein Anliegen: Gebt der Religion den vollen Raum, den ihr für sie in der Massenkommunikation für wünschenswert haltet. "Öffne die Tore (...) du schenkst Frieden" (vgl . Jes 26 , 2a . 3a ). Darum bitte ich zugunsten der Religion. Ihr werdet sehen, liebe Freunde, daß die religiösen Themen euch um so mehr begeistern werden, je mehr ihr sie geistig tiefschürfend und fachlich gekonnt darbietet. Wenn sie sich der religiösen Botschaft öffnet, gewinnt die Kommunikation an Qualität und Interesse. Für die kirchlichen Mitarbeiter bei den Medien aber wiederhole ich: Habt keine Angst; "ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba! Vater!" (vgl. Röm 8, 15).

Mögen die Botschaft der Religion und die religiösen Darbietungen in allen Medien präsent sein: in der audiovisuellen Information, im Filmschaffen, im Gedächtnis und Austausch der Informatik der Datenbanken, im Schauspiel und in den kulturellen Darbietungen hohen Ranges, in der öffentlichen Auseinandersetzung und im gemeinsamen Nachdenken über aktuelle Fragen, in den Diensten für öffentliche Erziehung und Ausbildung, in allen Produktionen der Gruppenmedien, mit Hilfe von Zeichentrickfilmen guter Qualität und dank der reichen Möglichkeiten, die die Verbreitung des geschriebenen Wortes, Tonbildaufzeichnungen usw., sowie musikalische Entspannung durch örtliche oder weitreichende Radiosender bieten. Mein dringender Wunsch geht dahin, daß die katholischen und christlichen Kräfte konstruktiv mit den Kräften der kulturellen Kommunikation aller Art zusammenarbeiten und im Hinblick auf das letzte Ziel der religiösen Botschaft Konkurrenzschwierigkeiten überwinden. Die Kirche selbst lädt bei dieser Gelegenheit dazu ein, die Erfordernisse einer ökumenischen und interreligiösen Zusammenarbeit in den Medien ernsthaft zu überlegen.

8. Zum Schluß dieser Botschaft darf ich nicht versäumen, alle jene zu ermuntern, denen das Apostolat der Kommunikation am Herzen liegt, daß sie sich, in Achtung vor einem jeden, weiterhin eifrig im großen Werk der Evangelisierung einsetzen, das allen angeboten ist: "Geh und verkünde das Reich Gottes" (Lk 9, 60). Wir können die neue Botschaft nicht verschweigen, denn nur indem wir das Wort verkünden und leben, verstehen wir auch selbst die ungeahnten Tiefen der Gabe Gottes .

Im Ja zum Willen Gottes und voll Vertrauen spreche ich euch allen, den Fachleuten und der Öffentlichkeit, meine Freude über das eindrucksvolle Erlebnis der über alle Entfernungen hinweg geschaffenen Verbindungen aus, die "von den Dächern" vernehmbar werden, so daß alle am Suchen und Vertiefen einer "reiner Religion ohne Makel" teilnehmen können, und ich rufe auf euch alle den Segen des Herrn herab.

   Aus dem Vatikan, am 1989

IOANNES PAULUS II   

 


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