Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

22 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Soziale Kommunikation und Förderung der Solidarität und Brüderlichkeit unter den Menschen und Völkern."

1988

   Brüder und Schwestern, liebe Freunde auf dem Gebiet der Information und Kommunikation,

1. Wenn man eines Tages in Wahrheit sagen könnte, Kommunikation komme auf Verbrüderung hinaus und bezeichne menschliche Solidarität, wäre das für die Massenmedien nicht das schönste Ergebnis? Über dieses Thema möchte ich euch daher am XXII. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel zum Nachdenken auffordern.

Wenn ich von Brüderlichkeit spreche, meine ich den vollen Sinn dieses Ausdrucks. Christus ist nämlich "der Erstgeborene von vielen Brüdern" (Röm 8,29), und er läßt uns in jeder menschlichen Person, ob Freund, ob Feind, einen Bruder oder eine Schwester entdecken. Da er "nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird" (Joh 3,17), ruft Christus alle Menschen zur Einheit auf. Der Geist der Liebe aber, den er der Welt schenkt, ist ebenfalls ein Geist der Einheit. Der heilige Paulus schildert uns den gleichen Geist, der die verschiedenen Gaben aufeinander abstimmt und in den verschiedenen Gliedern des gleichen Leibes wirkt: "Es gibt verschiedene Gnadengaben (...) aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen" (l Kor 12,4-6).

2. Wenn ich gleich das geistliche Fundament der Brüderlichkeit und Solidarität anspreche, dann weil dieser christliche Sinn der ursprünglichen menschlichen Bedeutung dieser Ausdrücke keineswegs fremd ist. Die Kirche betrachtet Brüderlichkeit und Solidarität nicht als Werte, die ihr allein vorbehalten wären. Im Gegenteil denken wir immer, daran, wie Jesus den barmherzigen Samariter gelobt hat, weil er im geschundenen Menschen besser als der Priester und der Levit einen Bruder erkannt hat (vgl. Lk 10,29-27). Ebenso fordert uns der Apostel Paulus auf, die Gaben anderer nicht zu verachten, sondern sich über das Werk des Geistes in jedem unserer Brüder zu freuen (vgl. 1 Kor 12,14-30).

Brüderlichkeit und Solidarität sind grundlegend und dringend, und sie müßten heute die Völker und Kulturen kennzeichnen. Ist nicht die freudige Entdeckung ihrer glücklichen Beziehungen das schönste Geschenk, das die Massenmedien in ihren gelungensten Darstellungen diesen Werten bieten?

Die Massenmedien erleben heute eine atemberaubende Entwicklung, und die Bande, die sie zwischen Völkern und Kulturen knüpfen, stellen ihren kostbarsten Beitrag dar. Doch weiß ich, daß ihr selber, die Kommunikatoren, euch auch der perversen Wirkungen bewußt seid, die diese Beziehungen zwischen den Völkern und Kulturen entarten lassen können. Selbstgefälligkeit und Verachtung oder Abweisung jener, die anders sind, können Spannungen oder Spaltungen verschärfen. Aus solchen Haltungen entsteht Gewaltanwendung, sie verfälschen und zerstören echte Kommunikation und machen alle brüderlichen Beziehungen unmöglich.

3. Soll es zu einer wirklichen Brüderlichkeit und menschlichen Solidarität kommen, erst recht, wenn ihre christliche Dimension tiefer bewußt wird, muß man die elementaren Werte anerkennen, die ihnen zugrunde liegen. Gestattet mir, hier einige von ihnen in Erinnerung zu rufen: Achtung des anderen, Sinn für den Dialog, Gerechtigkeit, eine gesunde Ethik des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens, Freiheit und Gleichheit, Frieden in der Einheit, Förderung der Würde der menschlichen Person, die Fähigkeit zum Teilnehmen und Teilen. Brüderlichkeit und Solidarität übersteigen jeden Kastengeist, alles Korporationsdenken, jeden Nationalismus und Rassismus, endlich jeden Mißbrauch der Macht, jeden individuellen, kulturellen oder religiösen Fanatismus.

Es ist Aufgabe der Operatoren der Massenkommunikation, die ihnen zur Verfügung stehenden Techniken und Mittel einzusetzen, indem sie sich stets ein klares Bewußtsein dieser erstrangigen Werte bewahren. Ich schlage hier nur einige Anwendungen vor:

- Die Informationsagenturen und die gesamte Presse zeigen ihre Achtung vor den anderen durch eine vollständige und ausgewogene Information.

- Die Verbreitung des Wortes über Radio erreicht ihr Ziel noch besser, wenn die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch wirklich allen geboten wird.

- Medien, die die Auffassung einzelner Gruppen vorlegen, tragen zur Förderung der Gerechtigkeit bei, wenn sie der Stimme jener Gehör verschaffen, die sonst nicht zum Zuge kommen.

- Die Fernsehprogramme behandeln fast alle Aspekte des Lebens, und ihre Netze machen unzählige Verbindungen untereinander möglich: betrachtet man ihren Einfluß, so ergibt sich eine noch größere ethische Verantwortung ihrer Verantwortlichen dafür, den Menschen und Gemeinschaften Bilder anzubieten, die eine gegenseitige Durchdringung der Kulturen gestatten, doch ohne Intoleranz und Gewaltanwendung, vielmehr im Dienst der Einheit.

- Die Möglichkeiten der persönlichen Kommunikationen über Telephon, ihre Erweiterung auf Textübertragung sowie ihre immer weitere Verbreitung durch Satelliten legt die Sorge für die Gleichheit der Personen nahe, indem man den Zugang zu diesen Medien möglichst vielen Personen erleichtert, um echten Austausch zu gestatten.

- Die Informatik verbindet immer mehr wirtschaftliche und kulturelle Vorgänge, und die Datenbanken vereinen eine bisher unvorstellbare Menge von unterschiedlichen Informationen. Man weiß, daß ihre Benutzung sämtliche Formen des Druckes oder der Gewaltanwendung auf das private oder kollektive Leben möglich macht. So wird eine weise Benutzung dieser Medien zu einer echten Vorbedingung des Friedens;

- Beim Entwurf der Berichte, die die verschiedenen audiovisuellen Beiträge begleiten, muß die Achtung vor dem Gewissen der unzähligen Zuschauer gewahrt werden.

- Werbesendungen wecken oder bekräftigen Wünsche, schaffen aber auch Bedürfnisse. Jene, die sie in Auftrag geben oder gestalten, müssen auch an die vielen nicht Privilegierten denken, für die solche angepriesenen Güter unerreichbar sind.

Wie immer sie eingreifen, müssen die Kommunikatoren notwendig einen Ehrenkodex achten, so daß sie wirklich die Wahrheit über den Menschen zu vermitteln bemüht sind und zu einer neuen Weltordnung der Information und Kommunikation beitragen.

4. In dem immer dichteren und aktiveren Netz der Sozialen Kommunikationen in der ganzen Welt möchte die Kirche lediglich als "Expertin in Menschlichkeit" unablässig an die Werte erinnern, die die Größe des Menschen ausmachen. Sie hegt freilich auch die Überzeugung, daß diese nicht angeeignet und konkret durchgeführt werden können, wenn man das geistliche Leben des Menschen vergißt. Für die Christen bildet die Offenbarung Gottes in Christus eine Erleuchtung über den Menschen selber, und der Glaube an die Heilsbotschaft bildet das intensivste Motiv für den Dienst am Menschen. Die Gaben des Heiligen Geistes aber regen dazu an, dem Menschen in brüderlicher Solidarität zu dienen.

Man fragt sich vielleicht: sind wir beim Eröffnen solcher Perspektiven nicht zu vertrauensselig? Erlauben uns die im Bereich der Massenkommunikationen feststellbaren Tendenzen solche Hoffnungen?

Allen, die durch die Risiken der neuen Technologien der Kommunikation unsicher geworden sind, antworte ich: Seid ohne Furcht! Weit entfernt davon, die Realität, in der wir leben, zu ignorieren, brauchen wir sie nur tiefer zu betrachten. Erkennen wir im Licht des Glaubens die wirklichen Zeichen der Zeit! Die Kirche weiß in ihrer Sorge um den Menschen um das tiefe Sehnen des Menschengeschlechtes nach Brüderlichkeit und Solidarität - ein Sehnen, das oft verleugnet und entstellt wird, aber unzerstörbar bleibt, weil es im Herzen des Menschen durch Gott selber grundgelegt ist, der in ihm das Bedürfnis nach Kommunikation und die Fähigkeiten, es weltweit zu entfalten, geschaffen hat.

5. An der Schwelle des 3. Jahrtausends erinnert die Kirche den Menschen daran, daß Brüderlichkeit und Solidarität nicht nur Bedingungen des Überlebens sein können; sie sind vielmehr Züge seiner Berufung, und die Soziale Kommunikation gestattet es ihm, sie frei auszuüben.

Laßt mich daher euch allen sagen, und zumal in diesem Marianischen Jahr: "Habt keine Furcht." War Maria selber nicht bestürzt angesichts der Verkündigung, die doch nur Zeichen des Heilsangebotes an die ganze Menschheit war, Elisabeth wird es bezeugen: "Selig ist die, die geglaubt hat" (Lk 1,45). Dank ihres Glaubens nimmt die Jungfrau Maria den Plan Gottes an und tritt in das Geheimnis der trinitarischen Kommunikation ein, und indem die Mutter Christi wird eröffnet die innerhalb der Geschichte eine neue Brüderlichkeit.

Selig jene, die glauben, die der Glaube von Furcht befreit und für die Hoffnung öffnet, die er zum Aufbau einer Welt antreibt, wo in Brüderlichkeit und Solidarität auch noch Raum ist für eine Weitergabe der Freude.

Von dieser tiefen Freude über die Gaben der Kommunikation erfüllt, die wir zur Erbauung aller empfangen haben, rufe ich im Geist dieser Brüderlichkeit auf jeden von euch den Segen der Allernächsten herab.

   Aus dem Vatikan, am 1988

IOANNES PAULUS II   

 


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