Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

21 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Sozialen Kommunikationsmittel im Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens."

1987

   Liebe Verantwortliche für die Sozialen Kommunikationsmittel und liebe Leser und Hörer,

die Sozialen Kommunikationsmittel bilden eine Plattform des Austausches und des Dialoges, die geeignet ist, einer lebhaften Sorge meines Pontifikats wie auch des meines Vorgängers Paul VI. zu begegnen (vgl. Botschaft an die Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen, 24. Mai 1978, Nr. 5, in: Wort und Weisung, 1978, 1. Teil, S.223-225), dazu beizutragen, daß man mit der Förderung des Friedens durch Gerechtigkeit von einem Gleichgewicht des Schreckens zu einer Strategie des Vertrauens findet. Deshalb schien es mir dringend, euch als Thema für den Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel 1987 vorzuschlagen: Die Sozialen Kommunikationsmittel im Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens. Ich habe das schon wiederholt gesagt, aber ich unterstreiche es heute durch folgenden Zusatz: das Vertrauen kann nicht allein das Werk der politisch Verantwortlichen sein, es muß im Bewußtsein der Völker entstehen. Nachdem das Problem des Friedens bereits einmal (Welttag 1983) behandelt worden ist, möchte ich dieses Jahr mit euch diese kurze Betrachtung über das Werk der Gerechtigkeit, das den Frieden verwirklicht, bzw. über die Strategie des Vertrauens als Erfüllung der Gerechtigkeit im Hinblick auf den Frieden weiterführen.

Ich weiß, daß für euch, die ihr auf dem Gebiet der Sozialen Kommunikationsmittel tätig seid, die Massen (der Leser, Zuhörer und Zuschauer) keine anonymen Mengen sind. Sie stellen die ständige Herausforderung dar, mit Hilfe immer weiter vervollkommneter Technologien und immer wirksamerer Kommunikationsstrategien jeden einzelnen in seinem persönlichen Lebensbereich, auf dem Niveau seines Auffassungsvermögens und seiner Sensibilität zu erreichen. Diese Einladung könnte euch also im Bewußtsein bleiben: die Strategie des Vertrauens durch die Strategie der Kommunikation im Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens weiterzugeben!

Eure Strategie der Kommunikation ist größtenteils eine Strategie der Information, um zum Aufbau dieser Gesellschaft des Wissens beizutragen, in der wir uns für Gutes oder auch für Schlechtes engagieren. Gestattet mir, an das zu erinnern, was ich in diesem Zusammenhang bereits gesagt habe: Der Weltfrieden hängt in einem gewissen Maß von einer besseren Kenntnis ab, die die Menschen und die Gesellschaften voneinander haben; die qualifizierte Information der öffentlichen Meinung hat direkten Einfluß auf die Förderung der Gerechtigkeit und des Friedens (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 1982, Nr. 6, 8, in: DAS [1982], S. 827, 829). Eure Aufgabe scheint über die menschlichen Möglichkeiten hinauszugehen: informieren, um zu bilden, während euch eine Lawine von Nachrichten in manchmal geradezu gefährlicher Weise in alle Ecken der Welt führt, ohne euch Zeit zu lassen, jeden Fall und jedes Ereignis zu gewichten. Und doch sind die Benutzer der Medien von euch abhängig, wenn sie die Schäden des Schreckens und die Hoffnungen des Vertrauens begreifen sollen.

Der Friede ist nicht möglich ohne Dialog (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 1986, Nr. 4-5, in: O.R.dt., 19. Dez. 1986, S.4 f), aber man kann keinen echten Dialog führen, ohne in Ost und West, Süd und Nord gut informiert zu sein. Euer Dialog will zudem ein ‘totaler Dialog’ sein, das heißt ein Dialog, der mit Hilfe einer globalen Strategie der Kommunikation geführt wird: dazu gehört natürlich Information, aber auch Unterhaltung, Werbung, künstlerisches Schaffen, Erziehung, Sensibilisierung für die kulturellen Werte. Durch diese Strategie der Kommunikation muß man die Strategie des Vertrauens verwirklichen. Aus dem Gleichgewicht der Furcht, über das der Angst bis hin zu dem des Schreckens erwächst ein "kalter Frieden" - wie Pius XII. sagte - der nicht der wahre Friede ist. Nur die Kommunikation wird - durch den totalen Dialog eine Sehnsucht nach Frieden und eine heiße Friedenserwartung als Forderung im Herzen der Völker hervorrufen können. Und, so könnte man hinzufügen, eine ‘kalte Gerechtigkeit’ ist keine wahre Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit kann nur im Vertrauen leben, andernfalls ist sie nur eine "Gerechtigkeit gegen" jemanden und nicht eine "Gerechtigkeit für" und eine "Gerechtigkeit mit" jeder menschlichen Person.

Wie lassen sich die Strategie des Vertrauens und die Strategie der Kommunikation miteinander verbinden? Diesen Gedanken möchte ich nachher ausführen. Ich weiß, daß die Kommunikation über die Massenmedien eine auf lange Sicht geplante und sorgfältig organisierte Kommunikation ist. Deshalb ist es wichtig, darauf hinzuweisen, was eine von den Medien vermittelte Strategie des Vertrauens sein könnte. Sie könnte, so scheint mir, sieben wesentliche Momente zum Inhalt haben: bewußt machen, anklagen, verzichten, überwinden, beitragen, verbreiten, bekräftigen.

Zuerst gilt es, bewußt zu machen oder, mit anderen Worten, ein Werk der Einsicht zu vollbringen. Hat nicht Paul VI. gesagt, der Friede sei ein Werk der Einsicht? Es wird darauf ankommen, mit Hilfe von Programmen verschiedenster Art bewußt zu machen, daß jeder Krieg die Menschheit um alles bringen und mit dem Frieden nichts verloren sein kann. Daher wird die Strategie der Kommunikation besser als jedes andere Mittel die Ursachen des Krieges begreiflich machen können: die unzähligen Ungerechtigkeiten, die zur Gewalt treiben. Jede Ungerechtigkeit kann zum Krieg führen. Die Gewalt ist in uns, wir müssen uns von ihr befreien, um auf den Frieden zu kommen. Das ist das Werk der Gerechtigkeit, das als Frucht der Einsicht in Erfüllung geht. Nach der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. Gaudium et spes, Nr. 82-91) kommt die Einsicht vor allem durch die positiven Entscheidungen zum Ausdruck, die in den Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens angesichts der Ungerechtigkeit und des Krieges angeraten sind. Und genau das ist der Ort, wo eure Rolle durch den Geist der Initiative, die sie mit sich bringt, packend und aufregend wird.

Die Mitteilung der konstruktiven Entscheidungen für Gerechtigkeit und Frieden geht Hand in Hand mit eurer Verpflichtung, sämtliche Ursachen von Gewalt und Konflikten anzuklagen: weltweite Rüstung, Waffenhandel, Unterdrückung und Folter, Terrorismus jeder Art, bis zum äußersten getriebene Militarisierung und übertriebene Sorge um die nationale Sicherheit, Nord-Süd-Spannung, sämtliche Formen von Fremdherrschaft, Festsetzung, Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung.

Wenn man konsequent anklagen will, muß man such selbst auf die Wurzeln von Gewalt und Unrecht verzichten. Eine der am festesten in die Produktion der Kommunikationsmittel integrierten Vorstellungen scheint wohl die vom "Ideal des Stärkeren" zu sein, von jenem Willen zur Vorherrschaft, der nur zur Mehrung der gegenseitigen Angst führt. Auf der Linie dessen, was Johannes XXIII. sagte, müßt ihr bei eurer Produktionsarbeit zu einer "Abrüstung des Geistes" gelangen (vgl. Ansprache an die Journalisten des Konzils, 13. Oktober 1962). Was für ein Fortschritt im Austausch von Kommunikation wäre es, wenn sich der Markt reichlich mit Programmen versorgt sähe, die anderes an bieten als diesen Willen zu Herrschaft und Macht, von dem so viele der heute verbreiteten Werke beeinflußt sind! Und welche qualitative Verbesserung ließe sich erreichen, wenn die Benutzer der Medien durch ihre Forderungen und ihre Reaktionen durchsetzten, daß man auf das Ideal des Stärkeren verzichtet. Vom im Geist der Gerechtigkeit zu handeln, genügt es nicht, im Namen einer starken Macht dagegen zu handeln. Es gilt auch, für und mit den anderen zu handeln oder, in der Welt der Medien, für jeden und mit jedem Kommunikation zu betreiben.

Die Strategie des Vertrauens heißt auch, alle Hindernisse überwinden, die den "Werken der Gerechtigkeit" im Hinblick auf den Frieden im Wege stehen. Vor allem müssen die Barrieren des Mißtrauens Überwunden werden. Wer vermag besser als die Sozialen Kommunikationsmittel alle Barrieren von Rassen, Klassen, Kulturen, die sich gegenüberstehen, zu überwinden? Das Mißtrauen kann alle Formen von Parteilichkeit und sozialer, politischer oder religiöser Intoleranz hervorbringen. Das Mißtrauen lebt von der Mutlosigkeit, die zum Defätismus wird. Das Vertrauen dagegen ist die Frucht einer strengeren sittlichen Haltung auf allen Ebenen des täglichen Lebens. Papst Johannes XXIII. erinnerte daran, daß auf jeden Fall das Ungleichgewicht zwischen den technischen Möglichkeiten und dem sittlichen Engagement der menschlichen Gemeinschaft überwunden werden müsse. Und ihr Gestalter oder Benutzer im Medienbereich wißt sehr gut, daß die Welt der Kommunikation eine Welt des explodierenden technologischen Fortschritts ist. Auch in diesem im weitesten vorangetriebenen Bereich der menschlichen Erfahrung ist auf allen Ebenen die ethische Forderung die dringendste.

Eure Rolle besteht außerdem darin beizutragen, daß der Friede durch Gerechtigkeit möglich wird. Die Information ist der Weg der Sensibilisierung, der Feststellung, der Überprüfung, was sich nun wirklich ereignet hat auf dem Weg zum Frieden. Dieser Beitrag kann durch öffentliche Debatten und Diskussionen in den Medien vertieft werden. Damit vielleicht die Ebene, wo eure Phantasie, euer Einfallsreichtum auf die härteste Probe gestellt wird. Hier bedarf es auch am dringendsten der Antwort der Benutzer der Medien, also der Leser, Zuhörer und Zuschauer.

Es darf auch nicht versäumt werden, nachdrücklich alles zu verbreiten, was helfen kann, Frieden und Gerechtigkeit begreiflich zu machen und lebendig werden zu lassen, von den bescheidensten Initiativen im Dienst des Friedens und der Gerechtigkeit bis zu den Bemühungen der internationalen Tagungen. Unter diesen Initiativen nimmt die Rolle einer neuen Weltordnung der Information und Kommunikation im Dienst des Friedens und der Gerechtigkeit durch die Gewährleistung der verschiedenartigen Verbreitung von Information zum Wohle aller sicher einen bedeutenden Platz ein, woran ich bereits anläßlich eines Kongresses der Weltunion der Katholischen Presse erinnert habe (vgl. Ansprache am 25. September 1980). Eure Aufgabe als Verantwortliche für die Sozialen Kommunikationsmittel ist die Vermittlung einer ständigen Weiterbildung. Eure Pflicht als Benutzer der Massenmedien besteht in einer ständigen Suche nach Zugang zu allen Angaben, die eure Meinung formen und euch immer empfänglicher für eure Verantwortlichkeiten machen. Wir alle sind für die Zukunft der Gerechtigkeit und des Friedens verantwortlich.

Gestattet mir, daß ich euch eindringlich bitte, unter allen Initiativen, die es zu verbreiten gilt, die Darstellung der christlichen Vorstellung von Frieden und Gerechtigkeit, der christlichen Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit nicht zu vernachlässigen und dabei die Aufforderung zum Engagement, aber auch zum Gebet für den Frieden nicht auszuschließen: es handelt sich dabei um eine unersetzliche Dimension des Beitrags der Kirche zu den Friedensinitiativen und zugunsten der Bemühungen um ein Leben in Gerechtigkeit.

Das alles setzt, wie ihr wißt, die Darstellung des wahren und vollständigen Bildes der menschlichen Person, des Fundaments jeder Bezugnahme auf Gerechtigkeit und Frieden, durch die Sozialen Kommunikationsmittel voraus. Alles, was die menschliche Person verletzt, ist bereits ein beginnender ‘kriegerischer Akt’. Welche unvorhersehbaren Folgen werden daher alle Initiativen im Kommunikationsbereich haben, deren Organisatoren ihr seid! Bei der Vorbereitung müssen schließlich alle Vorbedingungen im Hinblick auf Gerechtigkeit und Frieden bekräftigt werden: die unveräußerlichen Rechte der menschlichen Person, die Grundfreiheiten in der Gleichheit und im Blick auf die Teilhabe aller am Gemeinwohl, die Respektierung legitimer Hoheitsrechte, die Verpflichtung zu Erzatzleistungen und Hilfe... Vor allem aber gilt es, die Werte des Lebens herauszustellen: das Dasein darf nicht mehr als unerbittlicher ‘Kampf um das Leben’ dargestellt werden, sondern mit der Einsicht der Weisheit als ein in der Güte oder, noch besser, in der Liebe als Quelle und Ideal gelebtes Leben. Allein die Liebe wird, indem Sie jeden Tag aufs neue die Brüderlichkeit ersinnt, schließlich die endgültige Kapitulation des Schreckens herbeiführen können. Möge die von der Gabe Gottes inspirierte Liebe Einfluß ausüben auf die ‘technischen Wunder’ der Kommunikation, die ja auch ‘Gaben Gottes’ sind (vgl. Miranda prorsus).

In der Hoffnung, daß diese Worte euch helfen werden, weder im Augenblick der Erstellung eurer Programme - was für euch, liebe Verantwortliche im Bereich der Sozialen Kommunikationsmittel, gilt - noch im Augenblick des Anhörens und der Reaktion auf diese Programme was für euch, liebe Benutzer der Medien, gilt - die Gerechtigkeit und den Frieden aus den Augen zu verlieren, spreche ich euch allen mein persönliches Vertrauen aus und fordere euch alle auf, für das Vertrauen im Dienst der ganzen Menschheit zu arbeiten. In diesem Geist spende ich euch voll Freude meinen Apostolischen Segen.

   Aus dem Vatikan, am 1987

IOANNES PAULUS II   

 


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