Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

17 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Sozialen Kommunikationsmittel in Einsatz für den Frieden."

1983

   Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

1. Einsatz für den Frieden: so lautet das Thema, welches der diesjährige Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel eurer Überlegung unterbreitet. Ein Thema, das von allergrößter Bedeutung und brennender Aktualität ist.

In einer Welt, in der die gegenseitige Abhängigkeit aller dank der erstaunlichen Entwicklung und raschen Ausweitung der Massenmedien ständig wächst, stellen Kommunikation und Information eine Macht dar, die der großen, edlen Sache des Friedens wirksam zu dienen vermag, die aber auch Spannungen verschärfen und neue Formen von Ungerechtigkeit und Verletzung der Menschenrechte hervorrufen kann.

Ich bin mir der wichtigen Rolle der Kommunikatoren voll bewußt und hielt es daher in meiner jüngsten Botschaft zum Weltfriedenstag (1. Januar 1983) zum Thema: Der Dialog für den Frieden: eine Forderung an unsere Zeit - für notwendig, einen besonderen Aufruf an alle zu richten, die im Bereich der Massenmedien tätig sind. Sie sollten sich ermutigt fühlen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und mit größter Objektivität die Rechte, die Probleme und die Meinungen aller Beteiligten klar darzulegen, um so das Verständnis und den Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen, Nationen und Gesellschaftsordnungen zu fördern (vgl. Friedensbotschaft, Nr. 2, in: ORdt., 31.12.82, S.1).

In welcher Weise kann die Soziale Kommunikation dem Frieden dienen?

institutioneller Ebene - die einen korrekten, gerechten und konstruktiven Gebrauch der Information sicherstellt, indem sie Übergriffe, Mißbräuche und Diskriminierungen ausschaltet, die auf politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Macht gründen. Es geht hier nicht in erster Linie darum, sich Gedanken über neuartige technische Verfahren zu machen, sondern vielmehr um eine Rückbesinnung auf die Grundprinzipien und Zielsetzungen der Sozialen Kommunikation in einer Welt, die gleichsam zu einer großen Familie geworden ist und wo ein berechtigter Pluralismus auf der gemeinsamen Grundlage einer Verständigung über die wesentlichen Werte des menschlichen Zusammenlebens gewährleistet sein muß. Für die einzelnen Kommunikatoren wie auch für die Rezipienten ist daher eine umsichtige Bewußtseinsbildung erforderlich. Von seiten der öffentlichen Stellen, der Gesellschaft und der internationalen Institutionen werden angemessene, richtige und mutige Entscheidungen verlangt. Nur eine rechte Ordnung der Sozialen Kommunikationsmittel und eine ausgewogene Beteiligung an ihrem allgemeinen Nutzen bei voller Achtung der Rechte aller, erzeugen ein günstiges Klima für den Dialog, in dem sich die Bürger, Nationen und die verschiedenen Kulturen gegenseitig bereichern, wogegen Ungerechtigkeiten und Unordnung in diesem Bereich Konfliktsituationen heraufbeschwören. So stellen einseitige Informationen, die von oben oder von den Markt- und Werbegesetzen willkürlich aufgenötigt werden, Konzentrationen, die zum Monopol führen und jede Art von Manipulation, nicht bloß einen Anschlag auf die rechte Ordnung der Sozialen Kommunikation dar, sondern verletzen schließlich auch die Rechte auf verantwortungsbewußte Information und gefährden den Frieden.

3. Kommunikation dient, zum zweiten, dem Frieden, wenn sie durch ihre Inhalte konstruktiv zum Geist des Friedens erzieht. Information ist ja, wenn man es recht überlegt, niemals neutral, sondern korrespondiert immer, zumindest implizit und in ihren Absichten, mit grundsätzlichen Zielvorstellungen. Ein tiefer Zusammenhang verbindet Kommunikation und Werterziehung. Geschicktes Hervorheben oder Verzerren wie auch gezieltes Verschweigen sind in der Kommunikation von tiefer Wirkung. Die Formen und Weisen, in denen Situationen und Problemfelder wie Entwicklung, Menschenrechte, Beziehungen zwischen den Völkern, ideologische, soziale und politische Konflikte, nationale Ansprüche oder der Rüstungswettlauf - um nur einige Beispiele zu nennen - dargeboten werden, beeinflussen daher direkt oder indirekt die Bildung der öffentlichen Meinung und das Entstehen von Gesinnungen, die entweder auf den Frieden zielen oder aber auf gewaltsame Lösungen ausgerichtet sind.

Wenn die Soziale Kommunikation ein Werkzeug des Friedens sein soll, muß sie die einseitigen und parteiischen Erwägungen überwinden, indem sie Vorurteile beseitigt und statt dessen einen Geist der Verständigung und gegenseitiger Solidarität schafft. Die echte Annahme der Logik des friedlichen Zusammenlebens in der Verschiedenheit erfordert die ständige Anwendung der Methode des Dialogs, die das Recht aller Parteien auf Existenz und freie Meinungsäußerung anerkennt, gleichzeitig aber deren Pflicht deutlich macht, sich gemeinsam um jenes höchste Gut zu bemühen, welches der Friede ist, dem heute als dramatische Alternative die Drohung der atomaren Zerstörung der menschlichen Zivilisation gegenübersteht.

Infolgedessen ist es heute um so notwendiger und dringender, für die Werte eines umfassenden Humanismus einzutreten, der auf der Anerkennung der wahren Würde und der Rechte des Menschen gründet und offen ist für die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Solidarität zwischen Personen, Gruppen und Nationen in dem Bewußtsein, daß ein und dieselbe Berufung die gesamte Menschheit vereint.

4. Schließlich dient die Soziale Kommunikation dem Frieden, wenn vor allem die Journalisten und Medienschaffenden aktive Mitgestalter des Friedens sind.

Die besondere Verantwortung und die unersetzbaren Aufgaben, die die Kommunikatoren in bezug auf den Frieden haben, leiten sich aus der Betrachtung über die Mittel und die Macht her, die in ihren Händen liegt, um - mitunter entscheidend - die öffentliche Meinung und nicht zuletzt die Regierenden selbst zu beeinflussen.

Gewiß müssen den Kommunikatoren für die Ausübung ihrer wichtigen Aufgaben grundlegende Rechte, wie der Zugang zu den Informationsquellen und die Möglichkeit zur objektiven Darstellung der Tatsachen, eingeräumt werden.

Anderseits aber ist es auch notwendig, daß die Journalisten und Medienschaffenden über die Forderungen einer rein individualistisch verstandenen Ethik hinaussehen und sich vor allem nicht von offener oder verborgenen Machtgruppen manipulieren lassen. Sie müssen vielmehr bedenken, daß sie über die vertragsmäßigen Verantwortlichkeiten gegenüber Informationsorganen und geltenden Gesetzen in der jeweiligen Gesellschaft hinaus auch klare Verpflichtungen gegenüber der Wahrheit, der Öffentlichkeit und dem Gemeinwohl haben.

Wenn es den Kommunikatoren gelingt, bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, die eine echte Sendung darstellt, sachlich und unparteiisch zu informieren, das gegenseitige Einvernehmen und den Dialog zu fördern und das Verständnis und die Solidarität zu stärken, dann haben sie einen großartigen Beitrag zur Sache des Friedens geleistet.

Euch, liebe Brüder und Schwestern, vertraue ich diese meine Überlegungen unmittelbar zu Beginn des außerordentlichen Heiligen Jahres an, mit dem wir das 1950. Jubiläum der Erlösung des Menschen feierlich begehen wollen, die von Jesus Christus, dem "Friedensfürsten" (vgl. Jes 9, 6), vollbracht wurde, von Ihm, der "unser Friede ist" und der kam, um "den Frieden zu verkünden" (vgl. Eph 2 14.17).

Während ich auf euch und auf alle, die in der Sozialen Kommunikation tätig sind, das göttliche Geschenk des Friedens herabrufe, das "die Frucht des Geistes" ist (vgl. Gal 5, 22), erteile ich euch von Herzen meinen Apostolischen Segen.

   Aus dem Vatikan, am 1983

IOANNES PAULUS II   

 


Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel - Via della Conciliazione 5 - 00120 Vatikanstadt
Tel +39 06 69891800 - Fax +39 06 69891840
email pccs@vatican.va - web http://www.pccs.it