Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

12 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Empfänger der Sozialen Kommunikation: ihre Erwartungen, Rechte und Pflichten."

1978

   Ehrwürdige Brüder und Schwestern, liebe Söhne und Töchter,

der jährliche Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel ist für das Volk Gottes eine bedeutsame Gelegenheit zu gemeinsamer Besinnung. Bekanntlich ist dieser Tag dazu bestimmt, sich der Funktion und des Gebrauchs jener Instrumente tiefer bewußt zu werden, die der Sozialen Kommunikation dienen. Die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils haben nicht gezögert, diese Instrumente als "wunderbar" zu bezeichnen. In der Tat: Wer kann ermessen, welchen Einfluß diese modernen Mittel auf die öffentliche Meinung auszuüben vermögen, wobei Wertungen und Entscheidungen von ihnen mitbedingt sind, und zwar auf Grund ihrer weiten, alles durchdringenden Verbreitung, täglich verbesserter Techniken und der immer mehr zunehmenden Zeit, in der man sich ihnen widmet?

Es kann daher nicht verwundern, daß die Kirche mit wachsendem Interesse die Entwicklungen auf diesem Gebiet verfolgt, welches von so weitreichender kultureller Bedeutung ist, und daß sie nicht müde wird, in mütterlicher Sorge an das Verantwortungsbewußtsein sowohl der "Kommunikatoren" wie der Leser, Hörer und Zuschauer zu appellieren. Gedrängt von dieser pastoralen Sorge, haben wir als Thema der heutigen Botschaft eine Besinnung auf die Erwartungen, Rechte und Pflichten der sogenannten "Rezipienten" gewählt, das heißt der Lehrer, Hörer und Zuschauer, an die sich die Sozialen Kommunikationsmittel wenden. Entsprechend unserem Auftrag betrachten wir die Empfänger der Sozialen Kommunikation vom Standpunkt eines christlichen Personalismus her, der in jedem menschlichen Geschöpf ein lebendiges Abbild Gottes sieht (vgl. Gen 1,26), dem im Plan der göttlichen Vorsehung eine überzeitliche Bestimmung zukommt.

Die erste Erwartung der Empfänger in der Sozialen Kommunikation, die Beachtung verdient, geht auf eine Beteiligung am Gespräch (vgl. die Enzyklika Ecclesiam suam, AAS. 56 (1964), S. 659). Der Raum, welchen die Zeitungen sowie die Hörfunk- und Fernsehstationen dem Briefwechsel mit ihren Lesern, Hörern und Zuschauern widmen, entspricht diesem berechtigten Wunsch nur teilweise, da es sich ja immer nur um vereinzelte Fälle handelt während vielmehr alle Empfänger das Bedürfnis verspüren, in irgend einer Weise die eigene Meinung zum Ausdruck bringen und einen eigenen Beitrag an Gedanken und Vorschlägen einbringen zu können. Dieses Gespräch zu gewährleisten, zu fördern und auf die Probleme von größerer Bedeutung hinzulenken, erfordert von den 'Kommunikatoren', daß sie in ständigem, anregendem Kontakt mit der menschlichen Gesellschaft stehen und die Leser, Hörer und Zuschauer zu aktiver Mitbeteiligung führen.

Als zweites ist die Forderung nach Wahrheit zu nennen. Hier geht es um ein grundlegendes Recht der Person; es gründet in der menschlichen Natur selbst und hängt eng zusammen mit der Verpflichtung zu aktiver Mitwirkung, welche die moderne Entwicklung jedem einzelnen Glied der menschlichen Gesellschaft zu garantieren bestrebt ist. Eine solche Erwartung betrifft unmittelbar auch die Informationsmedien. Die Empfänger haben ein Recht auf rasche und zuverlässige Berichterstattung, auf Bemühen um Objektivität und auf Beachtung der Stufenordnung der Werte. Bei künstlerischen Darbietungen erwarten sie mit Recht die Darstellung eines wahren Bildes vom Menschen, sowohl als einzelnem wie als Teil einer bestimmten sozialen Umgebung.

Nicht unterzubewerten ist das Verlangen des modernen Menschen nach Zerstreuung und Erholung, um wieder neue Kräfte zu sammeln und sein seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen, das durch die heute aufgezwungenen, nicht selten entnervenden Lebens- und Arbeitsverhältnisse einer harten Probe ausgeliefert ist. Auch dieses Verlangen ist berechtigt. Es ist offen auf den geistigen Bereich hin, wo der Aufmerksamkeit auf religiöse und sittliche Fragen eine besondere Bedeutung zukommt. Die Christen wissen darum, daß gerade diese Fragen unter der Führung des Heiligen Geistes den Menschen zur Fülle seiner eigenen höchsten Lebensbestimmung führen.

Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, bedarf es der verantwortlichen Mitwirkung der "Rezipienten" selbst, der Leser, Hörer und Zuschauer. Sie müssen eine aktive Rolle übernehmen im Gestaltungsprozeß der Sozialen Kommunikation. Es geht hier nicht darum, Gruppen zu bilden, die Druck ausüben. Das würde die heute bestehenden Gegensätze und Spannungen eher noch verschärfen. Es gilt vielmehr zu verhindern, daß anstelle eines "runden Tisches der Gesellschaft", zu dem alle entsprechend ihrer Vorbereitung und der Bedeutung der von ihnen vorgebrachten Gedanken den ihnen gebührenden Zutritt haben, sich Gruppen vordrängen, die nicht repräsentativ sind und daher von den durch sie beherrschten Medien einen einseitigen, nur auf ihre Interessen beschränkten Gebrauch machen könnten. Darum ist zu wünschen, daß zwischen 'Kommunikatoren' und 'Rezipienten' eine wahre und echte Beziehung hergestellt werde, ein Gespräch (vgl. Pastoralinstruktion Communio et Progressio, in AAS. 63 (1971); Nr. 81, S. 623).

Das bedeutet: Ihr, liebe Leser, Hörer und Zuschauer, müßt die Sprache der Sozialen Kommunikationsmittel verstehen lernen, auch wenn sie schwierig sein sollte. Erst dann seid ihr in der Lage, wirksam mitzureden. Ihr müßt es verstehen, eure Zeitung, das Buch, den Film, das Rundfunk- und Fernsehprogramm gut auszuwählen. Seid euch dessen bewußt, daß von eurer Entscheidung - wie von einem Stimmzettel - Ermutigung und Unterstützung, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, oder aber Zurückweisung bestimmter Angebote in den Medien abhängen (vgl. Pastoralinstruktion Communio et Progressio, in AAS. 63 (1971); Nr. 82, S. 624). Indes ist zu berücksichtigen, daß die Angebote in den Medien heute sehr vielschichtig sind; von deren Natur her - und nicht selten durch bewußte Manipulation - können Wahres und Falsches, sittlich Gutes und Böses miteinander vermischt erscheinen. Tatsächlich gibt es keine Wahrheit, nichts Heiliges und keinen sittlichen Grundsatz, die nicht in dem umfangreichen Gespräch dieser Angebote direkt oder indirekt angegriffen oder bestritten werden können. Darum bedürft ihr einer wachsamen und bewährten Befähigung zur Unterscheidung auf der Grundlage echter sittlich-religiöser Werte, wobei es gilt, das Positive anzuerkennen und sich anzueignen, das Negative aber zurückzuweisen.

Diese dreifache Fähigkeit, die der Leser, Hörer und Zuschauer heute erwerben muß, um ein reifer, verantwortlicher Bürger zu sein - nämlich die Fähigkeit, die Sprache der Massenmedien zu verstehen, eine geeignete Auswahl zu treffen und sicher zu urteilen - muß das Gespräch mit den 'Kommunikatoren' bestimmen. Für dieses Gespräch sind dann geeignete Formen zu finden, immer korrekt und mit der gebührenden Achtung, aber auch offen und entschieden, um sich so zu Wort zu melden, wenn es die Umstände erfordern.

Wir übersehen keineswegs die Schwierigkeiten, denen sich in der konkreten Situation der heutigen Welt jeder, selbst auch der christliche Leser, Hörer und Zuschauer ausgesetzt sieht, um sich die nötigen Fähigkeiten zur Wahrung seiner Rechte und zur Erfüllung seiner Pflichten in Übereinstimmung mit seinen Erwartungen anzueignen.

Wenn es jedoch zutrifft, daß die Zukunft der Menschheitsfamilie zu einem beträchtlichen Teil davon abhängt, welchen Gebrauch man von den Sozialen Kommunikationsmitteln zu machen versteht, dann erweist es sich als notwendig, der entsprechenden Bildung der Leser, Hörer und Zuschauer im pastoralen Dienst und ganz allgemein in den Bildungseinrichtungen eine vorrangige Stellung einzuräumen.

Die erste Stufe der Erziehung auf diesem Gebiet muß in der Familie selbst erfolgen. Das Angebot der Medien verstehen, daraus auswählen und es beurteilen - das gehört notwendig in den Gesamtrahmen der Erziehung für das Leben. Den Eltern kommt deshalb die Aufgabe zu, ihren Kindern zu helfen, daß sie in rechter Weise auswählen, im Urteil heranreifen und mit den ''Kommunikatoren" ins Gespräch kommen.

Diese Erziehung muß dann in den Schulen fortgesetzt werden. Das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil macht dies zu einer besonderen Verpflichtung für die katholischen Schulen aller Stufen (vgl. Dekret Inter mirifica, Nr. 16) und für christliche Vereinigungen mit bildendem Charakter, und es fügt noch hinzu: Um hier schneller voranzukommen, sollen diese Fragen sowohl im Grundsätzlichen wie in ihrer praktischen Handhabung auch im Religionsunterricht behandelt und erläutert werden" (Dekret Inter mirifica, Nr. 16) Die Erzieher dürfen nicht übersehen, daß sich ihr pädagogisches Wirken in einer Umwelt vollzieht, in der täglich eine Vielzahl von Sendungen und Darbietungen, die Glaubens- und Sittenfragen berühren, auch ihre Schüler erreicht. Diese bedürfen deshalb ständig erklärender Hilfen oder entsprechender Richtigstellungen.

Schließlich müssen auch die örtlichen Gemeinden der Gläubigen ihren Mitgliedern geeignete Hilfen anbieten für eine rechte Auswahl sowie für das Verständnis und die Beurteilung des Medienangebots. Wir appellieren an die katholische Presse und an andere Medien, welche Diözesen, Pfarreien oder Ordensgemeinschaften zur Verfügung stehen, daß sie möglichst umfassend sowie empfehlend oder ablehnend über das Angebot in den Sozialen Kommunikationsmitteln informieren, wobei sie die geeigneten Beweggründe anführen sollen, die den Gläubigen helfen, sich in voller Übereinstimmung mit der Lehre und den sittlichen Forderungen des Evangeliums zu orientieren. Die Christen und insbesondere die jungen Christen müssen sich dessen bewußt sein, daß es sich hier letztlich um eine persönliche Verantwortung handelt und daß von der Auswahl, die sie treffen, die Heiligkeit ihres Lebens, die Unversehrtheit ihres Glaubens, der Reichtum ihrer Kultur und ihr Beitrag zur allgemeinen Entfaltung der menschlichen Gesellschaft bestimmt werden. Die Kirche kann und muß sie informieren und ihnen helfen, aber sie kann ihnen ihre persönlichen und folgerichtigen Entscheidungen nicht abnehmen.

Die Aufgaben sind also, wie leicht ersichtlich, vielfältig und verlangen höchsten Einsatz. Nur die hochherzige Mitwirkung aller kann dazu führen, daß die Sozialen Kommunikationsmittel von leider nicht so seltenen Darbietungen ablassen, die von Gewalt, Erotik, Geschmacklosigkeiten, Egoismus und unzulässigen Sonderinteressen beherrscht sind, und statt dessen breite, rasche und sachgerechte Information anbieten. Was unterhaltende und künstlerische Darbietungen betrifft, in geistig-kultureller Hinsicht zu gesunder Erholung führen, womit sie in wirksamer Weise beitragen zur Entfaltung jenes umfassenden Humanismus, an welchem der Kirche so sehr gelegen ist (vgl. Enzyklika Populorum Progressio, AAS. 59 (1967); Nr. 42, S. 278; vgl. auch ebd. Nr. 14, S. 264).

Indem wir jene zum Einsatz ermutigen, die sich der Förderung dieses besonderen Dienstes widmen, erflehen wir für diese und alle, die an der Feier des 12. Welttages der Sozialen Kommunikationsmittel teilnehmen, die Fülle der Gaben des heiligen Geistes und erteilen ihnen von Herzen als Unterpfand göttlicher Gnaden unseren Apostolischen Segen.

   Aus dem Vatikan, am 23. April 1978

PAULUS PP. VI   

 


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