Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

11 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Werbung in den Massenmedien - Sinn, Gefahren, Verantwortlichkeiten."

1977

   Ehrwürdige Brüder und Schwestern, liebe Söhne und Töchter der Katholischen Kirche und Ihr alle, Menschen guten Willens,

die Diözesen der Katholischen Kirche feiern auch in diesem Jahr, der Einladung des Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils folgend (vgl. Dekret Inter mirifica Nr. 18), den Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel. Er soll anregen zur Besinnung, zum Gebet, zu Bemühungen, in verschiedenster Weise Interesse zu wecken, sowie zu geistiger und materieller Unterstützung, um so der Presse, dem Hörfunk, dem Fernsehen, dem Film und den anderen modernen Mitteln der Sozialen Kommunikation zu helfen bei der Wahrnehmung ihrer wichtigen Informations- und Bildungsaufgabe sowie - im Hinblick auf die besondere Verantwortung der Christen - bei ihrem bedeutsamen Beitrag zur Evangelisierung der Welt.

Dieser Welttag, der nun bereits zum elften Mal gefeiert wird, ist glücklicherweise in vielen Ländern zu einer günstigen Gelegenheit geworden, daß die Ortskirchen und diejenigen, die in den Medien Verantwortung tragen, direkten Kontakt aufnehmen und einander besser kennen und verstehen lernen. Dank entsprechender liturgischer Feiern und bildender Veranstaltungen trägt der Welttag dazu bei, die Empfänger bei den Sozialen Kommunikationsmitteln, Leser, Hörer und Zuschauer, zu einer bewußten, gewissenhaften Auswahl aus dem Angebot zu führen, was oft schon über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet, vor allem aber zu einer reifen Beurteilung der Inhalte des Angebots zu befähigen. In der Tat ist heute der Bereich der Sozialen Kommunikation derart umfassend und vielfältig, daß es nicht nur immer wieder des Appells an die entsprechenden Pflichten der einzelnen und der Gesellschaft sowie einer beständigen Verbesserung in diesem Bereich im Hinblick auf die echten Werte des menschlichen Lebens bedarf, unerläßlich ist vielmehr auch die Zusammenarbeit aller, die auf den Kommunikationsprozeß bestimmend einwirken.

Sozialen Kommunikation dienen soll, hat die Kirche deshalb doch die Aufmerksamkeit der Christen und der Menschen guten Willens jeweils auf bestimmte Ausschnitte aus diesem weiten Problemfeld gelenkt. Sie hofft, dadurch jedem einzelnen helfen zu können, daß er sich inmitten dieser vielfältigen Wirklichkeit der "Massenmedien" besser zurecht findet sowie im Rahmen ihrer Sendung einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. In diesem Sinn ist auch die Wahl des diesjährigen Themas zu verstehen: "Werbung in den Massenmedien - Sinn, Gefahren, Verantwortlichkeiten". Es soll die Aufmerksamkeit auf einen machtvollen Faktor im Gefüge der heutigen menschlichen Gesellschaft lenken.

Es ist zu fragen, warum im Zusammenhang mit den Sozialen Kommunikationsmitteln die Kirche auch Interesse an der Werbung aufbringt. Die Antwort lautet: Werbung ist für die menschliche Gesellschaft sehr bedeutsam, denn sie ist mitbestimmend für die ganzheitliche Entfaltung des Menschen und beeinflußt direkt oder indirekt das kulturelle Leben. Niemand vermag sich heute dem suggestiven Angebot der Werbung zu entziehen. Auch von ihrem jeweiligen konkreten Inhalt abgesehen, bietet die Werbung bestimmte Anschauungen vom menschlichen Leben oder läßt sich wenigstens von solchen leiten, die eine unvermeidliche Herausforderung an das Unterscheidungsvermögen des Christen und sein Verhalten darstellen. Darüber hinaus erhält die Werbung eine stets wachsende Bedeutung für die Entwicklung der Sozialen Kommunikationsmittel selbst, weil sie sie zu einem großen Teil finanziert und sich ihrer bedient; das führt zu direkten Auswirkungen, manchmal in gefährlicher Weise, auf deren geistige Richtung und Freiheit.

Mit Wohlwollen sieht die Kirche nicht nur die weitere Entfaltung der Produktionskraft des Menschen, sondern auch die immer reichere Vielfalt in den Beziehungen und im Austausch zwischen den Menschen und den gesellschaftlichen Gruppen. Darin erblickt die Kirche Grund, Zeichen und Anfang für eine immer größere Brüderlichkeit unter den Menschen. Unter dieser Rücksicht ermutigt sie die Werbung, die ein gutes und wirksames Mittel für die gegenseitige Hilfe der Menschen werden kann. Ein anderer grundlegender Gesichtspunkt, den die Kirche hier erblickt, liegt darin: Werbung ist Information. Daraus ergeben sich schwerwiegende Verpflichtungen: sie muß wahr und verantwortlich sein, von Achtung erfüllt gegenüber dem Menschen und seinen grundlegenden Werten und bedachtsam in der Wahl der Umstände und Darstellungsweisen.

Weiterhin bedeutet Werbung Förderung bestimmter Interessen. Auch wenn diese in sich berechtigt sind, muß man doch auch dem Gemeinwohl Rechnung tragen, den nicht weniger berechtigten Interessen anderer und insbesondere den konkreten Verhältnisse in der ganzheitlichen Entwicklung derer, an die sich die Werbung richtet, ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse und ihres Bildungsgrades.

Bekanntlich ist Werbung von Natur aus darauf gerichtet, wirksam zu überzeugen. Sie stützt sich auf genaue psychologische und soziale Erkenntnisse und ist ständig auf der Suche nach Methoden und Formen, um andere für etwas zu gewinnen. Vor allem hier ergibt sich für die Werbung und alle, die sich ihrer bedienen, die Forderung, die menschliche Person zu achten, ihr Recht und ihre Verpflichtung zu einer verantwortlichen Wahl und ihre innere Freiheit zu wahren. Alle diese Güter werden verletzt, wenn man die instinktiven Strebungen des Menschen auszubeuten versuchte oder seine Fähigkeit zum überlegen und zur Entscheidung beeinträchtigte.

Die so weitreichende Erscheinung der Werbung zusammen mit dem, was sich vom Sittlichen und Religiösen her an Forderungen ihr gegenüber ergibt, betrifft vor allem die Mittel der Sozialen Kommunikation. Oft treiben diese selbst Werbung. Aber noch viel allgemeiner sind sie Träger von Werbung, die sie von anderen wirtschaftlichen Kräften aufnehmen, und ihre Existenz hängt teilweise oder ganz von Einkünften aus der Werbung ab. Darum kann man sagen, daß die gesamte Kommunikation dieser Medien eng an die moderne Erscheinung der Werbung gebunden ist. Das ermöglicht den Kräften des wirtschaftlichen Lebens, den sozial notwendigen Fortschritt zu fördern. Dabei darf jedoch die Freiheit der Medien im Austausch kultureller und religiöser Werte nicht beeinträchtigt werden (vgl. Pastoralinstruktion Communio et progressio Nr. 62).

Nach unserer Ansicht können diese Hinweise dazu dienen, daß sich eine Werbung durchsetzt, welche die grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen achtet und vom christlichen Gewissen her der Unterstützung würdig ist, sofern nur alle, die es angeht, sich um fruchtbare Zusammenarbeit bemühen. Es ist Sache der Werbeagenturen, der Werbetreibenden sowie der Leiter und verantwortlichen Mitarbeiter der Medien, welche sich als Werbeträger anbieten, die bereits erarbeitete nützlichen Zusammenstellungen berufsethischer Forderungen bekanntzumachen, ihnen zu folgen und sie in die Tat umzusetzen, um so für deren weitere Vervollkommnung und bessere Verwirklichung auch bei einer breiten Öffentlichkeit Unterstützung zu finden. All dies rührt sehr oft an schwierige sittliche Fragen, etwa das Problem der Jugenderziehung, die Achtung vor der Würde der Frau, der Schutz der Familie und die Wahrung der Rechte der menschlichen Person (vgl. unsere Ansprache an den Rat der "Europäischen Vereinigung der Werbeagenturen" in der Audienz am 28. April 1976). Das rechtfertigt auch das Interesse der Kirche und, nicht selten, ihre begründeten Besorgnisse. Wie kann die Kirche schweigen, wenn sie bestimmte Grundsätze der sittlichen Ordnung verletzt sieht? Und können wir selbst es unterlassen, eine eindringliche Mahnung auszusprechen, worin wir uns mit allen Menschen guten Willens einig wissen, nämlich über die Verbreitung einer gewissen Filmwerbung, die unserer Kultur nicht zur Ehre gereicht, sondern die Würde des Menschen schwer verletzt sowie den Frieden des Gewissens und die Eintracht unter den Menschen stört? Darum bitten wir die Bischöfe, Priester und Laien, die in den verschiedenen Bereichen der Seelsorge tätig sind, mit allen, die auf dem Gebiet der Werbung verantwortlich tätig sind, Kontakt aufzunehmen zu einem guten und offenen Gespräch in der Achtung der beiderseitigen Interessen und in der gemeinsamen Anerkennung des Wohls der menschlichen Gesellschaft.

Zugleich laden wir alle ein, die für die katholische Presse, für katholische Rundfunk- und Fernsehsendungen und überhaupt für jegliche Form Sozialer Kommunikation irgendwie verantwortlich sind, gerade bei der Auswahl von Werbung wie im Gesamtbild ihrer Darbietung ein Beispiel für ihre eigenen religiösen Überzeugungen und ihr Lebensideal zu geben. Diejenigen, die Werbung zu vergeben haben, bitten wir, nicht solche Organe der Sozialen Kommunikation zu vernachlässigen, welche die Gewähr bieten, die Wahrung der sittlichen Grundsätze sowie den wahren Fortschritt der Person und ihrer religiösen und menschlichen Werte zu fördern.

Abschließend möchten wir wünschen, daß die verschiedensten katholischen Stellen und Einrichtungen im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben die Entwicklung der modernen Werbetechniken stets aufmerksam verfolgen und sich ihrer auch mit Erfolg zu bedienen wissen bei der Ausbreitung der Botschaft des Evangeliums als Antwort auf die Erwartungen des Menschen von heute. Mit diesen Wünschen erteilen wir gern allen unseren Apostolischen Segen, die an der Feier des diesjährigen Welttages der Sozialen Kommunikationsmittel teilnehmen und zur Besinnung auf dieses wichtige Thema von ihrer reifen menschlichen Erfahrung und ihrem wachen christlichen Bewußtsein her ihren Beitrag leisten.

   Aus dem Vatikan, am 1977

PAULUS PP. VI   

 


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