Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

10 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Sozialen Kommunikationsmittel angesichts der grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen."

1976

   Liebe Söhne und Töchter der katholischen Kirche und Ihr alle, Menschen guten Willens,

die jährliche Feier des Welttags der Sozialen Kommunikationsmittel bedeutet nicht nur die Erfüllung eines Auftrags des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. Dekret Inter mirifica, Nr. 18). Sie bietet vielmehr zugleich eine gute Gelegenheit, uns selbst, das Volk Gottes und alle Mitglieder der Menschheitsfamilie auf die außerordentlichen Möglichkeiten und die schwere Verantwortung hinzuweisen, die mit dem ständig zunehmenden Gebrauch der sich immer noch weiterentwickelnden Sozialen Kommunikationsmitteln verbunden sind.

Zum zehnten Mal ergreifen wir aus diesem Anlaß das Wort, um der kirchlichen Gemeinschaft das gewählte Thema noch bewußter zu manchen und dabei alle, die in diesen machtvollen Medien verantwortlich tätig sind. Soweit als möglich zur Mitwirkung anzuregen. Nach der Feier des Heiligen Jahres, das für die Christen, ja für alle Menschen eine Einladung zur Versöhnung und inneren Erneuerung war, möchten wir uns in einer Art von Rückbesinnung den höchsten menschlichen Werten zuwenden und auf dieses besondere Thema hinweisen: "Die Sozialen Kommunikationsmittel angesichts der grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen." Unser mahnender Ruf - so scheint uns - gilt im Namen des stets Bleibenden und seit alters Überlieferten dem Aktuellen und Modernen. Soweit es möglich ist, möchten wir Presse, Rundfunk, Fernsehen, Film und die anderen Medien, die von der Kunst und der Wissenschaft zur Vermittlung geistiger Güter ersonnen wurden, zur Mitwirkung an einen wahrhaft guten und darum verdienstvollen Unternehmen anspornen.

Gewiß, die Medien sind Instrumente. Aber sie haben nicht nur eine instrumentale Funktion, dienen nicht nur dazu, Kontakte herzustellen, Botschaften zu verbreiten sowie zur Entspannung und Unterhaltung beizutragen. Auch - und vor allem - sind sie Mittel zur Bildung und als solche zu einem höheren Dienst fähig, nämlich den Menschen weiterzuführen und zu seiner inneren Gestaltung beizutragen. Wer wüßte denn z.B. nicht, daß diese Medien in vielen Ländern alten und neuen Generationen beim Grund- und weiterführenden Unterricht dienlich sind und so das Wirken der Schule ergänzen oder vervollständigen? Angesichts dieser allgemein anerkannten Möglichkeit stellt die Kirche den Medien ein weiteres Ziel vor und weist diejenigen, die in den Medien tätig sind, auf eine noch höhere und dringlichere Aufgabe hin: der Sache der grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen zu dienen.

In der Tat beobachten wir, daß in so manchen Teilen der Welt immer wieder Situationen eintreten oder noch andauern, in denen der Mensch zur Erlangung und Wahrnehmung der ihm schon von Natur aus entsprechenden Rechte des Schutzes bedarf. Von einigen dieser schmerzlichen Fälle erhält die breite Öffentlichkeit Kenntnis, während andere, nicht weniger beklagenswerte Fälle verschwiegen oder gar gerechtfertigt werden.

Um welche Rechte geht es da? Ist es gar noch nötig, sie aufzuzählen? Kurz wollen wir nennen: das Recht auf Leben, Bildung und Arbeit, ja zuvor noch das Recht, geboren zu werden und das Recht auf verantwortliche Weitergabe des Lebens; dann das Recht auf Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit; ferner das Recht auf Mitwirkung an Entscheidungen, die für das Leben der einzelnen und der Völker von Belang sind; schließlich das Recht, die eigene Religion als einzelner und in der Gemeinschaft zu bekennen und zu bezeugen, ohne diskriminiert oder mit Strafen verfolgt zu werden.

Jedem Recht entsprechen auf der anderen Seite ebenso viele wichtige Pflichten, auf die wir mit gleicher Eindringlichkeit und Klarheit hinweisen möchten, denn jegliche Überbetonung von Rechten gegenüber den entsprechenden Pflichten bedeutet eine Störung das Gleichgewichts, die sich im Leben der Gesellschaft negativ auswirkt. Deshalb ist darauf hinzuweisen, daß die gegenseitige Entsprechung von Rechten und Pflichten wesentlich ist. Aus Rechten erwachsen Pflichten, und Pflichten begründen Rechte. Gerade in dieser Zuordnung finden die Mittel der Sozialen Kommunikation einen sicheren Bezugspunkt, um in der Information sowie in Bildung und Unterhaltung die menschliche Wirklichkeit widerzuspiegeln und so zum kulturellen Fortschritt beizutragen.

Wenn wir so die Bedeutung dieser Grundsätze unterstreichen, sind wir zunächst nur von rein menschlichen Motiven geleitet. Unser Glaube zeigt uns aber noch gewichtigere Gründe. Im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes erkennen wir den tiefsten Grund für die ganze Achtung und Wertschätzung, die dem Menschen gebührt, und im ganzen Evangelium sehen wir seine Rechte und Pflichten mit höchster Autorität verkündet. "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1, 14), und es hat uns als neues Gebot die gegenseitige Liebe aufgetragen, für die seine eigene Liebe das Urbild ist (vgl. Joh 15, 12). Deshalb weiß die Kirche und muß es allen sagen, daß jede Verletzung der Rechte des Menschen und jede Vernachlässigung der entsprechenden Pflichten auch eine Verletzung dieses höchsten Gebotes ist. In jedem Menschen, der leidet, weil seine Rechte mißachtet werden oder weil in ihm der Sinn für die eigenen Pflichten nicht ausgebildet wurde, wird etwas vom Leiden Christi sichtbar, das sich die Zeiten hindurch fortsetzt. Ein christlicher Fachmann der Sozialen Kommunikation kann diese Sicht der Dinge, die sich aus dem Glauben selbst ergibt, nicht unbeachtet lassen.

Gewiß ist die Sorge der Kirche um die Wahrung der menschlichen Rechte und die Erfüllung der entsprechenden Pflichten nicht neu. In unseren eigenen Lehräußerungen wie auch in denen unserer Vorgänger gibt es dafür zahlreiche Zeugisse. In dieser Botschaft möchten wir indes auf die besonderen Aufgaben hinweisen, die den Sozialen Kontmunikationsmitteln im Hinblick auf die grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen zukommen. Unter diesen -und das hat sich in der modernen Kultur unzweifelhaft mit größerer Deutlichkeit herausgestellt - gibt es eins, das fast ausschließlich von den Sozialen Kommunikationsmitteln selbst abhängt: das Recht auf richtige und vollständige Information. Das rechte Bewußtsein der Menschen von ihren Rechten und Pflichten hängt - so möchten wir sagen - zu einem großen Teil vom Informations- und Bildungsangebot der Sozialen Kommunikationsmittel ab. Es ist leicht einzusehen, wie vielfältig die Verantwortung ist, welche auf jenen lastet, die in diesem schwierigen Bereich tätig sind.

In diesem Zusammenhang drängt es uns, auf eine Erscheinung hinzuweisen, die sich in verschiedenen Teilen der Welt nun schon mit bedrohlicher Häufigkeit wiederholt! Grundlegende Rechte des Menschen werden nicht nur geleugnet, weil sie willkürliche Ausübung von Gewalt wären, sondern auch deshalb, weil sie lediglich eine Antwort auf Wünsche seien, die in der öffentlichen Meinung künstlich geweckt wurden. So erscheint dann die offenkundige Verletzung von Rechten gar noch als Wahrung von Rechten. Damit wollen wir keineswegs sagen, daß die Sozialen Kommunikationsmittel gelegentlich allein verantwortlich zu machen wären für eine solche Verkehrung der Dinge. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß die Sozialen Kommunikationsmittel von beträchtlichem Einfluß sein können bei der ''Manipulierung'' von Ideen, Tatbeständen, Werten und Deutungen, bei der Herabminderung der kritischen Fähigkeit in breiten Schichten der Bevölkerung und bei der Ausübung einer sogenannten kulturellen Unterdrückung, indem man nur solche Erwartungen zur Sprache bringt und weckt, die man zu erfüllen gedenkt.

Wir sind der Überzeugung, daß all dies, wo immer es geschieht, eine Verletzung des innersten Heiligtums des Menschen darstellt, der ein freies Geschöpf ist, geschaffen als Abbild Gottes. Keine Botschaft, die vermittelt wird, darf die menschliche Person außer acht lassen oder ihr eine Art zu denken und zu leben aufzwingen, welche zu der Würde, die ihr eigen ist, im Widerspruch steht; sie darf niemanden dazu verführen, die Entfaltung der positiven Möglichkeiten, die in der menschlichen Person beschlossen liegen, zu vernachlässigen oder ihn von der Wahrung der eigenen echten Rechte und von der Erfüllung der damit verbundenen Pflichten abzuhalten. Noch vor der Herrschaft über die äußeren Dinge ist der Mensch verpflichtet und ersehnt es auch zutiefst, über sich selbst zu herrschen und verantwortlich zu handeln. Diese Forderung des menschlichen Geistes muß geachtet, ja durch den rechten Gebrauch der Sozialen Kommunikationsmittel gefördert werden.

Im Namen des Dienstes am Menschen, der ein wesentlicher Teil des Auftrags ist, den Christus uns anvertraut hat, richten wir unsere väterliche Mahnung an verschiedene Gruppen, damit diese Medien wirklich der Förderung und Verteidigung aller grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen dienen:

- Diejenigen, die öffentliche Verantwortung tragen, bitten wir, durch diese Medien die Kultur zu fördern. Wir bitten sie um Achtung vor Tatsachen und Meinungen. Wir bitten sie um genaue Suche nach der Wahrheit, damit für den Menschen sichtbar werde, was er vor seinen Brüdern und Schwestern und vor Gott wirklich ist. Wir bitten, von dieser Suche her fortzuschreiten zu einer Haltung der Ehrfurcht und äußerster Aufmerksamkeit gegenüber den höchsten Werten der menschlichen Person.

- Diejenigen, die im Bereich der Massenmedien tätig sind, bitten wir, im Denken und in der Praxis konsequent zu sein, wenn sie Nachrichten und deren Deutung vermitteln. Sie mögen unmißverständlich zum Ausdruck bringen, von welchem Lebensideal sie sich leiten lassen, und sich niemals bestimmen lassen von der Absicht, das Publikum zu "manipulieren". Die Liebe zum Menschen und der Dienst an ihm sollen stets den Vorrang haben vor dem Streben nach Popularität oder wirtschaftlichen Vorteilen.

- Die Leser, Hörer und Zuschauer bitten wir sich einen wachen, kritischen Sinn anzueignen, der sie befähigt, jenen Menschen, Presseerzeugnissen, Sendungen und Filmen mit aufmerksamem Interesse zu begegnen sowie moralische und materielle Unterstützung angedeihen zu lassen, welche die Rechte des Menschen verteidigen und der Erziehung zur Erfüllung seiner Pflichten dienlich sind. Zugleich werden sie dann auch in der Lage sein, sich gegen Angriffe und Verführungen zur Wehr zu setzen, die der objektiven Wahrheit und der Würde des Menschen widersprechen. Wir bitten, das Angebot in den Medien richtig zu werten und auch zu lernen, den Medien gegenüber durch geeignete Einzel- und Gruppeninitiativen vorstellig zu werden. Die Leser, Zuschauer und Hörer haben dank ihrer Auswahl stets das letzte Wort über die Zukunft Sozialer Kommunikationsmittel - eine Verantwortung, die ihnen oft unbekannt ist.

Die Kirche beansprucht ihrerseits in diesem Bereich keinerlei Sonderstellung. Aber sie bekräftigt ihr Recht und ihre Pflicht, mit ihrer langen und universalen geschichtlichen und kulturellen, vor allem aber religiösen und erzieherischen Tradition im Bereich der Sozialen Kommunikationsmittel, mögen sie nun öffentlich oder privat verwaltet werden, präsent zu sein und, wenn notwendig, die Möglichkeit zu haben, eigene Medien aufzubauen, und zwar nicht nur im Hinblick auf ihre vorrangige Verpflichtung, als Gemeinschaft das Evangelium zu verkünden, sondern auch um der Wahrung der Menschenrechte willen, damit sie, wie in der Vergangenheit, die ganzheitliche Entfaltung des Menschen zu fördern vermag. In der Tat, diese vorrangige Verpflichtung, das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden (Mk 16, 15), und der damit zusammenhängende Auftrag, am Aufbau der Kultur mitzuwirken, verpflichtet sie, den ihr eigenen Platz in jeder modernen Form von Gemeinschaft unter den Menschen einzunehmen.

Mit dem Wunsch, daß die Sozialen Kommunikationsmittel ihren positiven Beitrag dazu leisten, die Wahrung der Rechte des Menschen zu fördern und ihm seine Pflichten bewußt zu machen, erteilen wir von Herzen all jenen unseren Apostolischen Segen, die dabei mitwirken, ein so hohes und schwieriges, aber auch faszinierendes Ziel zu erreichen, um einer besseren Zukunft der Menschheitsfamilie willen, die nun auf dem Weg zum Jahr 2000 ist.

   Aus dem Vatikan, am 1976

PAULUS PP. VI   

 


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