Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

9 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Soziale Kommunikationsmittel und Versöhnung."

1976

   Liebe Söhne und Töchter der Kirche, und alle ihr Menschen guten Willens,

das Heilige Jahr gibt uns auch das Thema an für unsere Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel: Versöhnung. Denn Presse, Rundfunk, Fernsehen und Film müssen der Versöhnung der Menschen auf dieser Erde dienen, müssen beitragen zur vollen Versöhnung der Christen in einer immer deutlicher sichtbaren und stärker gefestigten Einheit, müssen helfen zur Versöhnung und zur inneren Verbundenheit mit Gott.

Dieser jährliche Welttag ist ein besonderer Augenblick des Gebetes, der Meditation und der Besinnung auf eine Wirklichkeit, die eine im wahrsten Sinne des Wortes geistliche Dimension hat und für unser Leben von entscheidender Bedeutung ist: der positive Einfluß der 'Massenmedien' auf das Leben des einzelnen und der Gesellschaft, daneben aber auch ihre Doppeldeutigkeit und Gefährdung durch Manipulation. In der Tat können diese Medien alle jene Bemühungen stärken und fördern, die dazu beitragen, den Menschen wirklich frei zu machen und zur Verwirklichung seiner tiefsten Hoffnungen hinzuführen. Andererseits sind sie nicht der Gefahr enthoben, Modeerscheinungen und oberflächlicher Neugier willfährig zu sein oder gar der Ausbeutung und Diskriminierung Vorschub zu leisten.

In unserer Botschaft vom 25. März 1971 haben wir bereits den Dienst an der Einheit der Menschen herausgestellt. In diesem Jahr möchten wir eindringlich hinweisen auf die im Bereich der Sozialen Kommunikation wichtigste Voraussetzung zur Förderung eines Klimas der Versöhnung: Wahrung der Objektivität gegenüber den Tatsachen und Achtung vor der Ordnung der Werte, die sich in ihnen aussprechen. In diesem Zusammenhang sehen wir uns zu einem erneuten Wort der Wertschätzung und Ermutigung an all jene genötigt, die in den 'Massenmedien' beruflich tätig sind und sich bemühen, das Wahre bekanntzumachen und dem Guten jenen Platz einzuräumen, der ihm gebührt. Doch können wir uns nicht länger zurückhalten, unserer Besorgnis über bestimmte Situationen und Gefahren Ausdruck zu geben.

Die Objektivität der Information stellt ein Ziel dar, das wesentlich ist; sie entspricht dem Recht eines jeden Menschen auf ganzheitliche Entfaltung seiner Persönlichkeit entsprechend der Wahrheit der Dinge sowie seinem Recht auf die Möglichkeit, seine vielfältige Verantwortung in der Gesellschaft wahrzunehmen in Kenntnis der Zusammenhänge. Voraussetzung dafür ist eine wahrheitsgetreue Darstellung der Tatsachen. Es kann von Nutzen sein, einen solchen Bericht durch eine bestimmte Deutung zu bereichern. Das ist in dem Maße gerechtfertigt, als dadurch die innere Eigenart der Tatsachen sowie ihr wirklicher Stellenwert im Gesamtzusammenhang und ihr Bezug zu den menschlichen Werten deutlicher sichtbar werden. Andererseits können wir indes gewisse Praktiken nicht billigen, die angeblich 'neutral' und 'unabhängig' sind, sich in Wirklichkeit aber als geschickte Manipulation erweisen. Als Beispiele mögen dienen: die einseitige Hervorhebung menschlicher Verirrungen; der Druck auf die öffentliche Meinung zur Weckung unersättlicher Bedürfnisse, die enttäuschen und sich im übrigen unmöglich erfüllen lassen, etwa das Verlangen nach ständigem Konsum vor allem überflüssiger Dinge; die Darstellung illusorischer oder unmoralischer Verhaltensmodelle; Verschweigen und Entstellung wichtigster Ereignisse oder die Auswahl nach einer ideologischen Strategie, welche die Freiheit des Menschen mißachtet und das Recht auf Information verletzt; die Art und Weise, wie Probleme angefaßt und Dinge in Zweifel gezogen werden, so daß unbestreitbare ethische Gewißheiten in Gefahr geraten; die Tatsache, daß man Unsittliches als Kunst ausgibt und menschliche Pflichten, die mit vollem Recht aus dem Zusammenleben in der Gesellschaft erwachsen, als eine Art Unterdrückung ansieht; die Tatsache, daß man Gerechtigkeit nennt, was Gewalt, Rache, Vergeltung ist.

Um wirklich der Versöhnung zu dienen, setzt die Objektivität in der Auswahl und Darstellung der Tatsachen einen tiefen Sinn für Verantwortung, ausreichende Vorbereitung und Fachkenntnis sowie eine echte Korrektur bedauerlicher Verhaltensweisen voraus, die nur zu oft bei den Informationsquellen, den Medienschaffenden sowie ihrem Publikum, das damit mitschuldig wird, gang und gäbe sind.

Diese Ziele lassen sich um so besser erreichen, als man bemüht ist, in allen Ländern ganz konkret eine vernünftige Vielfalt der Informationswege zu sichern. Statt die Leser, Hörer und Zuschauer gleichsam zu zwingen, nur auf ihre Nachrichten und Meinungen angewiesen zu sein, müssen diese verschiedenen publizistischen Organe also bereit sein zu einem offenen Gespräch und zu einer loyalen Konfrontation, so daß auch Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben, und die tiefsten Gedanken frei zum Zuge kommen können. Andernfalls verfiele man weithin und fast unbemerkt einer Art von 'Tyrannei' oder einem 'kulturellen Terrorismus', der paradoxerweise sogar günstige Aufnahme finden könnte unter dem Vorwand, daß dieses Monopol der Förderung des einzelnen und der Gesellschaft diene, auch wenn es religiöse und sittliche Überzeugungen verletzt und gegen die Normen des bürgerlichen Zusammenlebens verstößt.

Indem wir dieser Besorgnis Ausdruck verleihen, möchten wir positiv dazu beitragen, daß die Sozialen Kommunikationsmittel jene segensreiche Rolle spielen, zu der sie fähig sind, indem sie die menschliche und christliche Versöhnung fördern. Alle Söhne und Töchter der Kirche laden wir dazu ein, sich um diese Erneuerung zu mühen. Wir wünschen sehr, daß diejenigen, die in den Medien tätig sind, sich selbst dazu aufgerufen wissen, ihre Freiheit zur Darstellung der Dinge zu verteidigen und zu erweitern, wobei wir jene Freiheit meinen, die in der Wahrheit als auch in der Liebe zu den Brüdern und Schwestern sowie zu Gott gründet. Wir übersehen keineswegs, welchen Schwierigkeiten sie dabei begegnen und welcher Mut ihnen abverlangt wird, besonders wenn es darum geht, einem Publikum von Lesern, Hörern und Zuschauern Genüge zu tun, das sich wenig darum zu kümmern scheint, diese Wahrheit und Liebe zu suchen. Mögen sie sich daher ihrer vielfältigen schweren Verantwortung bewußt werden, denn sie üben gewiß einen tiefen Einfluß auf die Information und damit auf die Denkstrukturen und die ganze Gestaltung des Lebens aus.

Noch eindringlicher richtet sich unser Appell an diejenigen, die gegenüber den Sachwaltern der Sozialen Kommunikation über politische, soziale oder wirtschaftliche Macht verfügen. Auch die sollen den Fortschritt einer gesunden Freiheit der Information und der Darstellung fördern. Wenn die Wahrheit erstickt wird durch ungerechte wirtschaftliche Interessen, durch gewaltsamen Druck von Gruppen, die sich auf subversive Tätigkeit im Leben der Gesellschaft verstehen, oder durch systematisch organisierte Gewalt, dann ist es immer der Mensch, der verletzt wird; denn seine berechtigten Hoffnungen können nicht mehr vernehmbar und noch weniger erfüllt werden. Im Gegensatz dazu darf die Freiheit, die man beansprucht, nicht losgelöst sein von einer inneren sittlichen Norm, die ihrerseits durch gesetzliche Regelungen geschützt wird. Diese Freiheit bleibt in der Tat immer hingeordnet auf die Rechte anderer und die Erfordernisse des Lebens in der Gesellschaft, also gebunden an die Pflicht, den guten Ruf der Menschen, die Ehre der Träger von Verantwortung im Dienst am Gemeinwohl und den Anstand im sittlichen Leben der Öffentlichkeit zu wahren. So ist es zum Beispiel klar: eine Werbung, die menschliche Verirrungen anpreist oder zu unsittlichem Verlangen aufreizt, entehrt die Presse, verdirbt die Bildung des sittlichen Gespürs, zumal in der Jugend, und man wird sich dabei der Gesellschaft gegenüber niemals darauf berufen können, durch das Recht auf Information gedeckt zu sein.

Wie auch sonst, beansprucht die Kirche auch in diesem Bereich keine Privilegien und noch weniger eine Monopolstellung. Sie bekräftigt lediglich das Recht und die Pflicht aller Menschen, dem Ruf Gottes zu antworten, sowie das Recht ihrer Glieder auf Zugang zu den Sozialen Kommunikationsmitteln unter Wahrung begründeter Rechte anderer. Erwartet nicht jeder einzelne und jede gesellschaftliche Gruppe eine Darstellung von sich selbst, die dem wirklichen Eigencharakter gerecht wird? Auch die Kirche hat ein Recht darauf, daß ihr wahres Bild, ihre Lehre, ihre Erwartungen und ihr Leben in der Öffentlichkeit bekannt sind.

Durch den Hinweis auf diese Erfordernisse hoffen wir, der Versöhnung unter den Menschen den Weg zu ebnen. Sie kann nur gedeihen in einem Klima gegenseitiger Achtung, brüderlichen Zuhörens, des Bemühens um die Wahrheit und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Wir sind sicher, daß dieser Appell positiv aufgenommen wird von vielen Menschen guten Willens, die es überdrüssig sind, durch Verhältnisse bestimmt zu werden, welche die ohnehin schon schweren Spannungen am Ende nur noch verschärfen. Für unsere Brüder und Schwestern, unsere Söhne und Töchter im Glauben, fügen wir indes hinzu: Wirkt mit allen euren Kräften auf die Versöhnung im Innern der Kirche hin. Dazu haben wir euch in unserem Apostolischen Schreiben vom 8. Dezember vergangenen Jahres eingeladen. Statt die Gegensätze unter den Christen zu verhärten, Polarisierungen zu verschärfen, den Druck verschiedener Gruppen zu verstärken und die Kluft zwischen unterschiedlichen Richtungen zu vertiefen, mögen die Sozialen Kommunikationsmittel vielmehr beitragen zur gegenseitigen Verständigung und Achtung, zur Annahme des anderen in Liebe und Verzeihen, zum Aufbau des einen Leibes Christi in der Wahrheit und der Liebe. Außerhalb dieser Wirklichkeit gibt es kein echtes Christentum.

Dies ist die grundlegende Erneuerung, die wir in diesem Heiligen Jahr für die verdienstvollen Träger und Förderer der Sozialen Kommunikation von Gott erflehen. Dank ihres Beitrags möge die echte Versöhnung unter den gesellschaftlichen Gruppen, zwischen den Völkern, unter allen, die an Gott glauben, und besonders unter den Jüngern Christi wachsen. Alle, die sich darum mühen, seien gesegnet vom Gott des Friedens!

   Aus dem Vatikan, am 19. April 1975

PAULUS PP. VI   

 


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