Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

8 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Kommunikationsmittel - ungeahnte Möglichkeiten für die Verkündigung."

1974

   Liebe Söhne und Töchter, liebe Brüder und Schwestern,

zum Welttag der Sozialen Kommunikation, der auf eine Weisung des Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils zurückgeht (vgl. Inter mirifica, Nr. 18), wenden wir uns wieder gern an euch.

Im Rahmen der Strukturen der modernen Gesellschaft sowie bei der Herstellung menschlicher Beziehungen heute kommt den Instrumenten der Sozialen Kommunikation eine unaufhörlich wachsende Bedeutung zu. Darum geben wir erneut unserer festen Überzeugung Ausdruck, daß alle Menschen berufen sind, ihren eigenen Beitrag einzubringen. Jedes Glied der menschlichen Gesellschaft muß am Aufbau der Sozialen Kommunikation aktiv mitwirken; jeder hat da eine echte Aufgabe. Dieser Beitrag kann die verschiedensten Formen annehmen, von der unmittelbaren Mitgestaltung der Programme, Produktionen und Presseerzeugnisse bis zur verantwortlichen persönlichen Entscheidung bei der Auswahl aus dem Kommunikationsangebot.

Weiter sind wir überzeugt, daß vor allem die Christen verpflichtet sind, neue Situationen aufmerksam zu verfolgen, in ihren Beurteilungen und Bewertungen stets den neusten Stand der Dinge zu berücksichtigen sowie mitzuwirken bei der Formulierung positiver Orientierungslinien auf diesem Gebiet, das für unsere heutige Zeit so kennzeichnend ist. Gerade dies möchten die Christen erreichen und fördern, auch durch eine Zeit der Besinnung und durch die Veranstaltungen dieses Welttages, der nun seit acht Jahren begangen wird.

In diesem Jahr laden wir euch ein, das Thema "Die Instrumente der Sozialen Kommunikation und die Verkündigung des Evangeliums in der heutigen Welt" zu überdenken. Es steht in einem glücklichen Zusammenhang mit den Studien, die in den verschiedenen Ländern zur Vorbereitung der nächsten Vollversammlung der Römischen Bischofssynode durchgeführt werden.

"Wenn die Kirche", so sagten wir in der Enzyklika Ecclesiam suam "sich wirklich dessen bewußt ist, was sie nach dem Willen des Herrn sein soll, dann wird in ihr eine einzigartige Fülle des Reichtums lebendig, und sie fühlt sich gedrängt, davon mitzuteilen - in voller Erkenntnis, daß sie Träger einer Sendung ist, die über sie hinausgeht, daß sie eine Botschaft zu verkünden hat" (AAS. 56 [1964] S. 639).

Die Erfüllung dieser Pflicht geschieht jeweils in den Formen, die den einzelnen Epochen der Geschichte eigen sind, heute also notwendigerweise auch mit Hilfe der Instrumente der Sozialen Kommunikation. "Man kann sich nur schwer vorstellen, wie jemand das Gebot Christi treu erfüllen will, wenn er die Vorteile und Chancen dieser Medien, einer außerordentlich großen Zahl von Menschen die Lehren und Gebote des Evangeliums zu bringen, ungenutzt läßt" (Pastoralinstruktion Communio et progressio, Nr. 126).

Die Verkündigung gehört wesentlich zur Sendung der Kirche. Sie erhielt von Christus den Auftrag das Evangelium allen Geschöpfen in der Welt zu verkünden (Mk 16, 15). Dies geschieht vor allem bei der Feier der Liturgie. Darüber hinaus bemüht sie sich um die Erfüllung dieses Auftrags auf die verschiedensten Weisen und unter Nutzung aller Mittel, die sich ihr auf ihrem Weg durch die Geschichte in den einzelnen Kontinenten anbieten.

Eigentlich ist das ganze Leben des Christen, soweit es dem Evangelium entspricht, eine ständige Verkündigung mitten in der Welt. Der Christ, der unter seinen Mitmenschen lebt, an den Sorgen und Leiden der Welt Anteil nimmt, sich einsetzt zur Förderung der irdischen Werte und sich einläßt in die Dynamik des Suchens und der geistigen Auseinandersetzung, verwirklicht sein konkretes Zeugnis für das Evangelium und bietet seinen Beitrag an, der wie ein Sauerteig wirkt und Orientierung gibt. Durch die Mittel der Sozialen Kommunikation eröffnen sich dieser Haltung des Christen ungeahnte Wirkmöglichkeiten für das Evangelium.

Viele dringliche Aufgaben auf diesem Gebiet fordern uns zu erhöhter Aufmerksamkeit heraus. Die erste besteht darin, den Bereich der Information und der künstlerischen Gestaltung in eine Richtung hin zu entwickeln, die die Verbreitung der Frohen Botschaft erleichtert und das Verständnis für die Würde des Menschen für Gerechtigkeit und allumfassende Brüderlichkeit vertieft - Werte, welche den Menschen seine eigentliche Berufung besser erkennen lassen sowie ihm den Weg öffnen zu einem fruchtbaren Dialog mit seinen Mitmenschen und zur Gemeinschaft mit Gott.

Die zweite Aufgabe ist eine Erneuerung der Methoden des Apostolats. Die neuen Techniken der audiovisuellen Mittel und der Presse müssen fruchtbar gemacht werden für die Katechese für die vielfältigen Anstrengungen auf dem Bildungssektor sowie für die Darstellung des Lebens der Kirche, ihrer Liturgie, ihrer Ziele und Schwierigkeiten, vor allem aber der Zeugnisse des Glaubens und der Liebe, aus denen sie lebt und sich ständig erneuert.

Schließlich ist die Nutzung der Instrumente der Sozialen Kommunikation von Bedeutung, um jene Länder Bevölkerungsschichten und Menschen zu erreichen, die aus besonderen Gründen von der direkten Verkündigung abgeschnitten sind, sei es aus Mangel an Dienern des Wortes oder deshalb, weil die Kirche ihre Aufgabe nicht in Freiheit wahrnehmen kann. Wir wissen, daß da heute - wenn auch noch immer nicht in ausreichendem Maße - dank des hochherzigen und gemeinsamen Einsatzes von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien, die ein hohes Maß an gutem Willen und Fachkenntnis mitbringen, ein vielfältiges Bemühen und Suchen im Gange ist. Aufmerksam verfolgen wir die Tätigkeit unserer Kommission für die Instrumente der Sozialen Kommunikation, der publizistischen Kommissionen der Bischöfe in den verschiedenen Ländern sowie der internationalen katholischen Organisationen und der katholischen Fachleute in diesem Bereich. Wir wissen um die Schwierigkeiten, vor die sie sich gestellt sehen, wegen der Neuheit dieses Gebiets, weil die Umwelt Hindernisse in den Weg legt oder weil die personellen und finanziellen Kräfte begrenzt sind.

Ihnen allen sowie den Menschen, welche die Instrumente der Sozialen Kommunikation zum wahren Fortschritt der Menschheitsfamilie und für eine bessere Zukunft der Welt nutzen, gilt unser ermunterndes und bestärkendes Wort sowie unser Apostolischer Segen.

   Aus dem Vatikan, am 1974

PAULUS PP. VI   

 


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