Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

7 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Die Massenmedien und die Bejahung und Förderung der geistigen Werte."

1973

Zum siebten Male begehen wir heute den jährlichen "Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel". An sie alle richten wir diese Einladung, mit uns über das für dieses Jahr vorgesehene Thema nachzudenken: "Die Massenmedien und die Bejahung und Förderung der geistigen Werte".

Zu allen Zeiten strebte der Mensch nach der Wahrheit, dem Guten und dem Schönen. Suchend strebte er danach, das Absolute zu erfassen und einer Beziehung zu seinem Schöpfer Ausdruck zu geben, oft durch Opfer und Gebet. Er hoffte auf ein Leben nach diesem Leben, und die Hoffnung auf Unsterblichkeit bestimmte sein Verhalten und seine Einstellung in dieser Welt. Mit mehr oder weniger Erfolg galt sein Streben nach Gerechtigkeit und Freiheit, der mitmenschlichen Solidarität und der brüderlichen Liebe. Der Mensch sehnte sich nach Frieden, im eigenen Herzen, in seiner Familie und in seiner Gemeinschaft. Diese und die übrigen geistigen Werte der Menschheit waren ein Erbe, das jeder der folgenden Generationen weitergegeben wurde, ein gemeinsamer Schatz aller.

Für dieses Erbe sind jedoch die Christen in besonderer Weise verantwortlich. Das Evangelium Christi hat nämlich diese geistigen Werte bekräftigt, ihre Bedeutung vertieft und ihre Verwirklichung gefördert. Christus selbst hat durch sein Leben, seinen Tod und die Auferstehung von den Toten dem Leben eines jeden Menschen erhöhte Bedeutung verliehen. Ja, er berief die Menschen zu noch höheren Zielen. Er ließ sie sich dessen bewußt werden, daß sie berufen und in der Tat Kinder Gottes sind, daß sie teilhaben an der Gemeinschaft seines Heiligen Geistes (vgl. Joh 3, 1; 2 Kor 2, 3).

In der kirchlichen Sendung liegt die Bejahung der geistigen Werte beschlossen, die in der gesamten christlichen Botschaft enthalten sind. Christus, der Herr, gab der Kirche den Auftrag, seine Botschaft bis an die Grenzen der Erde zu bringen (vgl. Apg. 1, 8; Mt 28, 19). Seine Apostel sollten predigen über die Liebe Gottes und die Liebe zum Nächsten, über Vergebung und Versöhnung, und sie sollten die Botschaft vom Frieden verkünden. Sie sollten hingehen und sich der Kranken und Unterdrückten annehmen und, wie ihr Meister, den Armen die Frohbotschaft verkünden (vgl. Lk 4, 18). Durch Gottes Führung erleuchtet und einzigartig reich an menschlicher Erfahrung, weiß die Kirche darum und verkündet es, daß der wahre Fortschritt des Menschen, der wahre Fortschritt der Völker nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn den geistigen Werten, die eine Antwort auf ihre tiefsten Erwartungen geben, der ihnen gebührende Platz eingeräumt wird. So hat die Kirche zu allen Zeiten die Frohbotschaft verkündet und Initiativen gefördert für den Fortschritt der Völker, Initiativen, die jeden einzelnen Menschen und den ganzen Menschen erfassen sollen ( vgl. Populorum progressio, Nr. 14). Die Kirche muß stets alle Werte eines echt menschlichen Lebens bejahen, jedoch darum wissen, daß unsere Herzen unruhig sind, bis sie ruhen in Gott.

Christen jeglichen Alters haben in ihrem Leben und häufig auch durch ihren Tod Zeugnis abgelegt für die geistigen Werte, zu denen sie sich bekannten als Kinder Gottes, die zum ewigen Leben berufen sind. Die großen Märtyrer haben in jedem Kulturkreis Nachfolger gefunden, die sich mit ihnen zu den Werten bekannten, welche das Leben lebenswert machen und dem Tod seinen wahren Sinn geben. Eine glückliche Fügung läßt in diesem Jahr den Welttag der Sozialen Kommunikation mit dem Fest des hl. Charles Lwanga und seiner Gefährten zusammenfallen. Diese waren überzeugt von den geistigen Werten, an die sie glaubten, und ihre Bereitschaft, für ihre Überzeugung zu sterben, läßt erkennen, wie tief die Wurzeln geistiger Werte reichen können. Die Söhne Afrikas werden heute auf der ganzen Welt geehrt, gerade weil sie geistige Werte bejahten.

Jeder Christ jeden Alters ist gleich diesen tapferen Heiligen verpflichtet, das Zeugnis seines guten Beispiels zu geben und Rede und Antwort zu stehen "über die Hoffnung, die ihn erfüllt" (vgl. 1 Petr 3, 15). Doch eine der segensreichsten Errungenschaften unserer Tage ist die Entwicklung der Technik und der große Fortschritt in der Sozialen Kommunikation. Geistige Werte können heute besser als je zuvor dargestellt und von einem Ende der Welt bis zum anderen verbreitet werden. Die unergründliche Vorsehung Gottes hat dieses Wunder für unsere Gegenwart aufgespart.

Die Menschen guten Willens sind beunruhigt, sehen zu müssen, wie häufig die Kommunikationsmedien mißbraucht werden, um Grundwerte des menschlichen Lebens in Frage zu stellen oder zu zerstören sowie Zwiespalt und Böses zu säen (vgl. Communio et progressio, Nr. 9). Die dadurch entstehenden Mißbräuche und Schäden sind nur zu bekannt. Die Verbreitung falscher Ideologien und die übertriebene Sorge um rein materiellen Fortschritt lenkt oft ab von echter Weisheit und den immerwährenden Werten.

Doch zielt unser Wunsch heute auf eine positive Aktion aller Katholiken, besonders derer, die in den Massenmedien beruflich tätig sind, um die Werte der lebensspendenden Botschaft Christi in ihrer ganzen Fülle zu verbreiten, der ganzen Welt ihre Überzeugung offenkundig und überall die Stimme ihres Glaubens und das Wort Gottes vernehmbar zu machen. Dies ist in der Tat eine wichtige Berufung und ein großer Dienst an der Welt. Wir appellieren gleichfalls an alle christlichen Brüder und Schwestern sowie an alle Menschen guten Willens, in allen Ländern, mit uns in voller Partnerschaft zusammenzuarbeiten, um die gemeinsamen Grundsätze, von denen die Menschenwürde abhängig ist, tatkräftig zu fördern. Wir bitten alle, die in der Sozialen Kommunikation tätig sind, von den Opfern und der Hingabe zu sprechen, die es in der Welt gibt, den Reichtum an Gutem bekannt zu machen und zu sprechen von der Kraft, der Begeisterung und der Selbstlosigkeit so vieler Menschen in den Massenmedien, die guten Willens sind und entschieden darauf drängen, ihre "leblosen Instrumente" zum Nutzen ihrer Mitmenschen zu gebrauchen (vgl. Communio et progressio, Nr. 72). Sie alle bitten wir, mit neuer Entschlossenheit die Massenmedien gleichsam zu brennenden Fackeln und mächtigen Leuchtzeichen zu machen, die den Weg erleuchten zum einzig wahren Glück. Die Welt braucht die konkrete Darstellung geistiger Werte. Um dieses Ziel zu erreichen, muß jeder mitwirken, der sich in den verschiedenen Ausdrucksformen der Sozialen Kommunikationsmittel auskennt. Die Sprache des Bildes und der Presse, des Lichtes, der Musik und des Tones muß helfen, die Botschaft der Güte, Schönheit und der Wahrheit zu vermitteln. Presse, Rundfunk, Fernsehen, Film, Theater und Werbung müssen mit allen ihren Möglichkeiten bei dieser Aufgabe eingesetzt werden, der Welt etwas mitzuteilen, was sinnvoll ist.

Wenn die Massenmedien die geistigen Werte einer unablässig strebenden Menschheit bejahen und fördern, tragen sie dazu bei, den Tag vorzubereiten, wo eine neue Schöpfung sein wird, in der die Vaterschaft Gottes überall anerkannt und Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden. Mit dieser unserer Aufforderung verbinden wir unseren Dank an alle, die sich bemühen, hierzu einen Beitrag zu leisten. Wir möchten unsere hohe Anerkennung aussprechen allen Rundfunk- und Fernsehstationen sowie der Presse, welche über die Kirche und den Hl. Stuhl berichten sowie über deren wesentliche Aufgabe, die geistigen Werte zu bekräftigen und zu fördern. In besonderer Weise danken wir den katholischen Männern und Frauen, die durch wirksamen Gebrauch der Massenmedien und noch intensivere Mitarbeit in diesem Apostolat uns bei der Verkündigung des Evangeliums helfen (vgl. Phil 1, 5).

Für den Erfolg des umfassenden Programms, das mit dem Thema dieses Welttags der Sozialen Kommunikationsmittel gegeben ist: "Die Massenmedien und die Bejahung der geistigen Werte", rufen wir den Beistand des fleischgewordenen Wortes an und in seinem Namen erteilen wir unseren Apostolischen Segen.

   Aus dem Vatikan, am 1. Mai 1973

PAULUS PP. VI   

 


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