Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel

3 WELTTAG DER SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL

"Soziale Kommunikation und Familie."

1969

   Liebe Söhne und Töchter, liebe und Brüder und Schwestern sowie ihr Menschen guten Willens alle,

der dritte Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, der unter dem Leitwort "Soziale Kommunikation und Familie" steht, bietet uns - wie schon die beiden vorhergehenden Welttage - eine willkommene Gelegenheit, alle, die in irgendeiner Weise daran interessiert sind, zu einer positiven und fruchtbaren Betrachtung dieses Themas einzuladen. Und wer könnte heute behaupten, es gehe ihn ein so umfassendes Problem wie die ständig zunehmende Ausbreitung von Presse, Rundfunk und Kino nichts an oder er sei nicht betroffen von dem ungeheuren Einfluß, den diese Mittel auf die Familie ausüben?

Eine Feststellung drängt sich gleich zu Anfang auf: Die Sozialen Kommunikationsmittel stoßen bis in das Herz der Familiengemeinschaft vor, bestimmen ihre Tagesordnung, verändern ihre Gewohnheiten und geben ihr reichliche Nahrung für Gespräche und Diskussionen; vor allem aber beeinflussen sie - manchmal grundlegend - die Seele der Leser, Hörer und Zuschauer, ihr Gemüt und ihren Geist sowie ihre moralische und selbst ihre religiöse Haltung. Es gibt, so darf man sagen, keine Information oder Frage mehr, die nicht in Druck, Ton oder Bild mitten in das Familienleben hineingetragen würde, die dort nicht einen Einfluß auf das Verhalten jedes einzelnen ausüben und die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen würde.

Die Vorteile dieser neuen Situation sind unbestreitbar. Es besteht kein Zweifel, daß dadurch die geistige Entwicklung der Jugend angeregt und ihr kulturelles Erbe bereichert wird, daß ihr Geist und ihr Herz sich eher den großen Problemen der menschlichen Gemeinschaft öffnen: dem Frieden, der Freiheit und dem Fortschritt. Aber ebenso augenscheinlich ist auch, daß die Überzeugungskraft dieser modernen Mittel sich zum Guten wie zum Bösen auswirken kann; ein Mißbrauch, selbst ein rein quantitativer, des Angebotes an Auge und Ohr kann die Werte des Familienlebens zerstören und zur Folge haben, daß die einzelnen nicht einander zugeführt werden, sondern sich isolieren. Es bedarf also einer Erziehung zu kluger Benutzung dieser Quellen kultureller Bereicherung; und damit ist ein neues Kapitel aufgeschlagen, das über die traditionellen Aufgaben der Erzieher hinausgeht. Es ist an der Zeit, daß die Familie in diesem Punkt zu einer Übereinkunft findet und sich, in unerläßlicher Zusammenarbeit mit der Schule, immer eifriger bemüht, die Gewissen durch angemessene Bildung zu befähigen, klare und objektive Urteile darüber zu fällen, ob sie dieses oder jenes Angebot annehmen oder ablehnen sollen.

Aber mit dieser erzieherischen Pflicht ist es nicht getan. Es muß sich zusätzlich ein ständiger Dialog zwischen den Familien und denen entwickeln, die für die Sozialen Kommunikationsmittel verantwortlich sind. Die Familien sollen nicht nur ihre Wünsche oder ihre Kritik zu Gehör bringen, sondern auch Verständnis zeigen für jene, die ihnen Tag für Tag, oft um den Preis vieler Mühen, so viele kulturelle und unterhaltende Beiträge liefern.

Die Produzenten ihrerseits müssen die Forderungen der Familie kennen und respektieren. Das setzt bei ihnen manchmal großen Mut, immer aber ein sehr hohes Verantwortungsbewußtsein voraus. In der Tat müssen sie sich zum einen alles versagen, was die Familie in ihrer Existenz, in ihrer Stabilität, in ihrem Gleichgewicht und in ihrem Glück verletzen könnte: Denn jeder Schlag gegen die fundamentalen Werte der Familie - sei es durch die Darstellung von Erotik oder Gewalt, sei es durch die Verteidigung der Scheidung oder von antisozialen Haltungen der Jugend - ist ein Schlag gegen das wahre Wohl des Menschen und der Gesellschaft. Zum anderen kommt ihnen die schwierige Aufgabe zu, die Öffentlichkeit anzuleiten, jene zu oft nicht beachteten oder verkannten Werte kennen, schätzen und lieben zu lernen, die einer Gesellschaft zur Ehre gereichen und ihre Stärke ausmachen: Selbsthingabe an ein großes Ideal, Opfersinn und unsichtbares Heldentum in der Erfüllung täglicher Pflichten.

Wir laden alle Familien ein, mit jenen Vereinigungen zusammenzuarbeiten, die in einem ständigen Dialog den für die Soziale Kommunikation Verantwortlichen ihre Wünsche und Forderungen zur Kenntnis bringen. Möge dieser Welttag der Anfang eines solchen fruchtbaren und aufbauenden Dialogs sein und eine ungetrübtere Zukunft auf diesem so bewegten Feld des modernen Lebens ankündigen.

Schließlich ist es erforderlich, über die Gegenwart der Christen in den Berufen der Sozialen Kommunikation zu sprechen. Es handelt sich hier in der Tat um einen Sektor des modernen Lebens, in dem diese Gegenwart besonders notwendig und wünschenswert ist. Keine Familie darf ängstlich berührt sein, wenn einer der Ihren sich für diese Berufe entscheidet. Das Böse, das oft mehr Aufsehen erregt als das Gute, ist an diesen Beruf nicht mehr gebunden als an einen anderen. Gott sei Dank gibt es in der Welt der Sozialen Kommunikation, wie anderswo auch, leuchtende Beispiele moralischen Lebens, in persönlicher wie in familiärer Hinsicht, und es fehlt nicht an Journalisten, Schauspielern, Männern und Frauen vom Film, die ihren Glauben an Gott in der frohen und gewissenhaften Ausübung ihres Berufes leben. Die Geschichte des Christentums kann uns sogar lehren, daß die Kraft des evangelischen Sauerteigs nicht nur nicht abnimmt, wenn er am Aufgehen gehindert wird, sondern daß sie im Gegenteil zunimmt und sich entfaltet, indem sie belebt und verwandelt, was sie umgibt. Junge Menschen, die eine feste moralische und religiöse Erziehung erfahren haben und die belebt sind von einem echten Ideal, sollten darum ermutigt werden, sich in den verschiedenen Zweigen der Sozialen Kommunikation zu betätigen.

Wer Realist ist, wird zugeben müssen, daß der Einfluß dieser neuen Techniken - weit davon entfernt, abzunehmen - in der Gesellschaft von morgen noch wachsen wird. Es muß deshalb alles darangesetzt werden, daß dieser Einfluß sich positiv auf die Gemeinschaft in der Familie auswirkt. Wir hoffen, daß unsere Stimme an diesem Tage zu allen Völkern gelange, damit alle die guten Mitarbeiter auf dem Feld der Sozialen Kommunikation ermutigt werden und alle, die es verstehen, diese Mittel zum Wohl der Familie einzusetzen und so dazu beizutragen, der ganzen großen Menschheitsfamilie eine glückliche Zukunft zu sichern.

   Aus dem Vatikan, am 1969

PAULUS PP. VI   

 


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